schreibt eine regelmäßige Expertenkolumne für den Nachrichten- und Börsensender
über aktuelle Ereignisse der Finanzwelt. Die jüngsten Stellungnahmen können Sie hier nachlesen:
n-tv-Kolumne | 29. Januar 2012: Die Realwirtschaft schafft Fakten (mehr)
Zu Beginn der neuen Woche wirft Vermögensverwalter Markus Zschaber einen scharfen Blick auf die Lage. Sein Urteil: „Es ist an der Zeit, das tiefe Tal des Pessimismus zu verlassen.“ Verunsicherten Anlegern rät er, den Sinn für Aktienqualität zu schärfen und taktisch antizyklisch zu investieren.
Natürlich sind mit dem kalendarischen Jahreswechsel die Schwierigkeiten und Probleme des abgelaufenen Jahres mitnichten gelöst. Die Schuldenkrise der industrialisierten Staaten und drohende Auswirkungen auf die Realwirtschaft bleiben ständige "Belastungsfaktoren". Doch der Jahresstart wurde von durchaus guten Vorzeichen begleitet, und die anlaufende Berichtsaison wird Fakten schaffen. Eine Basis für mögliche positive Überraschungen.
Der gute Jahresstart auf der Kursseite war nicht überraschend: Es wurden durchaus positive realwirtschaftliche und fundamentale Daten in jüngster Vergangenheit vernachlässigt, und anhaltende, altbekannte Belastungsfaktoren schürten überlagernden Pessimismus und drückten so die Börsenstimmung. Die laufend proklamierte Gefahr eines tiefen Rückfall der Euro-Wirtschaft in die Rezession, selbst unsere heimische Wirtschaft werde dem Rezessionssog nicht entkommen, verbannten die fundamentalen Unternehmensdaten in den Hintergrund.
Definitiv leidet in Zeiten konjunktureller Unsicherheit die Realwirtschaft, die Erwartungen an Umsatz und Gewinn müssen folgerichtig angepasst werden, und Unternehmen revidieren ihre Prognosen. Doch preisten die Märkte in den Aktienkursen beispielsweise für unsere heimische Industrie in der Spitze Einbrüche von nahezu 40 Prozent der unternehmerischen Tätigkeit ein - eine Negativerwartung von überzogenem Pessimismus und Ausdruck einer tief verwurzelten Aktien-Lethargie. Einen derartigen Wachstumseinbruch bei den Firmen halten wir für überzogen. Er entzieht sich jeder fundamentaler Bewertung, zumal da – als weiteres Indiz hoher Risikoaversion – Dax-Firmen zeitweise unter Buchwert notierten, definitiv ein Kauf-Signal für antizyklisch agierende Investoren.
Stichwort: Dividende
Das Marktumfeld ist weiterhin gespalten, so bieten die aktuellen Unternehmensbewertungen attraktive Einstiegskurse, globale Blue Chips sind auf den Absatzmärkten breit aufgestellt, und die unlängst vermeldeten Wirtschaftsdaten schüren Wachstumserwartungen. Zudem verfügen die Unternehmen über historisch hohe Cash-Bestände, welche für strategische Investitionen bereit stehen und für Gewinnausschüttungen genutzt werden. So belangt das Dividendenjahr 2012 nahe an das Spitzenjahr 2007 heran und belohnt die Aktionäre mit Erfolgsbeteiligungen in Höhe von knapp 27 Mrd. Euro. Von einem Finanzierungsengpass bei den Unternehmen kann also in der Breite nicht die Rede sein.
Die altbekannten Probleme werden weiterhin zu erhöhten Schwankungen und in der Spitze gar zu Irrationalität an den Märkten führen, zudem im Hinblick auf die europäische Schuldenkrise verschärft durch fragwürdige Handlungen der angelsächsischen Ratingagenturen. Wir rechnen definitiv nicht mit einem reibungslosem Aktienjahr, auch dürfte eine kurzfristige Aktien-Hausse auf Nachhaltigkeit hinterfragt werden. Die überlagernde Schuldenthematik ist kurzfristig nicht zu lösen, die eingeleiteten Reformschritte können jedoch zur längerfristigen Stabilisierung der Staatsausgaben beitragen.
Doch die fundamentalen Unternehmenszahlen im Zuge der anstehenden Berichtssaison und die Wirtschaftsdaten zur Funktionalität des globalen Konjunkturzyklus werden Fakten schaffen und dies- und jenseits des Atlantiks für eine Basis durchaus positiver Überraschungen sorgen.
Es ist an der Zeit, das tiefe Tal des Pessimismus zu verlassen und den Blick auf Aktienqualität zu schärfen und taktisch antizyklisch zu investieren. Denn zu beachten bleibt, dass zyklische Rezessionsphasen, historisch durchaus positive Aktienperioden waren, denn Kursentwicklungen bewerten und bepreisen die Zukunft, gegenwärtige Rezessionsängste sind hier bereits diskontiert.
Ihr Dr. Markus Zschaber
n-tv-Kolumne | 1. November 2011: Vielen Dank, Frau Merkel (mehr)
Den großen Euro-Gipfel wertet Vermögensverwalter Markus Zschaber – trotz einiger Zweifel – als Erfolg. In seinem Kommentar zur langen Nacht von Brüssel richtet der Vermögensverwalter das Wort an die Kanzlerin und beschreibt die Signalwirkung für Deutschland und die globale Wirtschaft.
Es war der Tag der jüngsten Euro-Entscheidung – ein Tag zwischen Berlin und Brüssel, welcher geprägt durch unsere Bundeskanzlerin als durchaus richtungweisend zu bewerten bleibt. Es wurde Klarheit geschaffen, Stärke demonstriert und so dem weiterhin intakten Zyklus der Realwirtschaft endlich Zuversicht und Optimismus signalisiert.
Mit einem klaren Abstimmungsergebnis des Deutschen Bundestags zur Ausweitung des EFSF im Gepäck, reiste unsere Kanzlerin Angela Merkel anschließend nahtlos weiter zum Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs nach Brüssel. In Zeiten der sich verschärfenden Vertrauenskrise in die Politik und nach quälend langen Wochen und Monaten des ineffizienten Reaktionismus mit unzureichend minimalistischen Lösungsansätzen, konnte dort nun endlich ein Maßnahmen-Paket zur Stabilisierung der Eurozone geschnürt werden.
Besonders zu erwähnen erachte ich hierbei die Position der Kanzlerin Merkel, welche endlich, weil längst überfällig, den Stellenwert Deutschlands und die wirtschaftliche Bedeutung unserer Nation verkörperte und in entscheidenden Themenpunkten richtigerweise kompromisslos agierte, zugunsten der Effizienz und Nachhaltigkeit unserer Wirtschaft.
Letztendlich stellt dieser Gipfel in Brüssel sicher nicht die finale Lösung der struktur-problematischen Euro-Schuldenkrise dar und die getroffenen Maßnahmen können maximal erste Schritte für umfangreiche, nachhaltige Reformanstrengungen der Währungsnationen sein, doch viel entscheidender ist die Signalwirkung der Beschlüsse für die globale Wirtschaft im Allgemeinen und für die europäischen Unternehmen im Besonderen.
Offene Fragen und zusätzliche Risiken
Inwieweit der lobbyistische Bankensektor trotz „freiwilliger“ Beteiligung am griechischen Schuldenschnitt im Detail noch zu glimpflich davon gekommen ist, wird zu diskutieren sein. Oder dass die beschlossene Hebelstruktur des EFSF zusätzliche Risiken beinhalten kann und eine strikte Kontrolle unabdingbar macht ist sicherlich Fakt, jedoch wurden beim genannten Gipfeltreffen wichtige Punkte angegangen und somit Unsicherheiten ausgeräumt.
Wie schwer der Ballast aus Ungewissheit und Vertrauensverlust auf der Wirtschaft lastete, zeigte die kraftvolle Reaktion der heimischen Dax-Familie nicht nur auf Kursebene. Noch deutlicher wird die nun freigesetzte Zuversicht in vielen Gesprächsrunden mit führenden Managern und Unternehmern aus Industrie und Wirtschaft. Der Fokus richtet sich wieder mehr auf die Zukunft.
Das, im Schatten der Schuldenkrise unterschätze, robuste Umfeld bietet nachhaltig Potenzial für unternehmerische Investitionen vor allem in den wachstumsstarken Wirtschaftsstandort Deutschland, welche nun eher umgesetzt und forcierter realisiert werden. Dies schützt und bringt zukünftig Arbeitsplätze und sichert uns anhaltenden Wohlstand.
Es war an der Zeit, klar definierte Rahmenbedingungen zu fixieren, zu viel stand ökonomisch auf dem Spiel. Es brauchte eine strikte Entschlossenheit der europäischen Politriege und speziell aus deutscher Sicht Durchsetzungskraft in Anbetracht unserer eminent wichtigen, wirtschaftlichen Machtposition. Dies wurde nun in Brüssel umgesetzt, nicht zuletzt durch unsere Kanzlerin. Also nochmals Danke hierfür, Frau Merkel.
Ihr Dr. Markus Zschaber
n-tv-Kolumne | 19. Oktober 2011: Bankensektor – weit entfernt von Stabilität (mehr)
Zu erwartende Schuldenschnitte in der Euro-Peripherie, geforderte Zwangs-Rekapitalisierungen und regulierungspolitisch aufgezwungene Umstrukturierung der Geschäftstätigkeit bedrohen die hiesige Bankenlandschaft und stellen zudem die Funktionalität der Realwirtschaft erneut in Frage.
Noch hat die aktuelle Bankenkrise keine Kreditklemme verursacht, die Restriktionen in Bezug auf die Kreditvergabe an Unternehmen stiegen zuletzt allerdings merklich. Wieder rückt die Bankenstabilität in den Fokus der Märkte, nach nur knapp drei Jahren stehen wir erneut vor dem Horror-Szenario einer umgreifenden Bankenkrise. Der Blick zurück auf die jüngste Vergangenheit mit milliardenschweren Kapitalspritzen und Verstaatlichung einzelner Geldinstitute zeigt, dass die Regulierungsversuche und Kontrollmaßnahmen des Finanzapparats gescheitert sind. Zwar stellen diese Missstände ein sektorales Problem dar, die Gefahren, dass daraus massive systematische Risiken für die gesamte Realwirtschaft entstehen könnten steigen aber zunehmend.
Besorgt ist festzustellen, dass das Misstrauen der Banken zueinander wächst und damit die Bereitschaft der Geldausleihe untereinander immer stärker abnimmt. Stattdessen zieht es die Liquidität zur EZB, trotz unrentabler Konditionen. Zwar befindet sich die messbar zunehmende Inaktivität des weltumspannenden Interbankenmarktes noch entfernt von unlängst erreichen Extremen und zudem diesmal in der Entstehung hier in Europa, aber die Entwicklung ähnelt erschreckend der Situation in 2008/09.
Zumal eine schnelle Lösung durch die ebenfalls in der Verschuldungskrise "gefangenen" Institutionen der Staaten, nur mit sehr großem Kraftakt und hoher Überzeugungskunst gegenüber der allgemeinen Gesellschaft durchführbar erscheint. Der ausschlaggebende Grund ist derzeit die anhaltende Staatsschuldenkrise, der mittlerweile erwartete Schuldenerlass für Griechenland und vermutlich auch für weitere Länder der europäischen Peripherie. Kommt es zu einem drastischen Schuldenschnitt bei staatlichen Schuldenbonds, wird die Kapitaldecke nicht nur mehrerer europäischer Bankhäuser, sondern auch unserer heimischen Geldinstitute sehr ausgedünnt. Folgerichtig steigt das Misstrauen in die Solvenz des Bankensektors im Allgemeinen. Mit der möglichen Folge, dass die Liquiditätsspielräume für Investitionen gekürzt werden und die Kreditvergabe an Unternehmen und Privathaushalte eingeschränkt werden würde, was wiederum für die Realwirtschaft bremsende Konsequenzen hätte.
Wieder haben Fehlinvestitionen und unzureichende Risikoanalysen dazu geführt, dass milliardenschwere Abschreibungen und Neubewertungen der Assets auf die Bankenbilanzen zukommen. Innerhalb unserer Bilanzdetailanalyse des Bankensektors stellen wir fest, dass das Eigenkapital teils um über das 30-fache aufgebläht ist. Von diesen "Vermögenswerten" der Bilanz sind jedoch mehr als Dreiviertel nicht marktgerecht bewertet, noch drastischer ausgedrückt gibt es für mehr als 5 Prozent keine zugrunde liegenden Marktdaten, müssten also beinahe wertlos ausgebucht werden. Neue Bilanzierungstricks machen eine weitere fiktive Bewertung möglich, verschaffen den Banken hierdurch Freiräume und schützen vor solvenzbedrohenden Abschreibungen. Das Missverhältnis zwischen dem klassischen Bankgeschäft der Fristentransformation, der Umwandlung der Einlagen in margenträchtige Kreditvergaben zum spekulativen Eigenhandel ist offenkundig und weitgehend bekannt. So verwundert es nicht, dass durchschnittlich ein Zehntel der Gesamtbelegschaft einer Bank im Investmentbanking für 90 Prozent des operativen Gewinns zuständig ist, also das Filial- und Endkundengeschäft gegenüber dem Eigenhandel fast komplett an Bedeutung verloren hat.
Daher kursiert derzeit die Debatte um die Umstrukturierung des Universalbanken-Ansatzes, also der strikten Trennung des klassischen Kredit- und Einlagengeschäftes vom spekulierenden Eigenhandel zum Schutz der kreditnachfragende Realwirtschaft vor einer Infizierung.
Die Situationslage der Bankenstabilität steht klar im Fokus der Märkte. Ein nachhaltiger Lösungsansatz in Bezug auf die sich zuspitzende Liquiditätsklemme auf dem Interbankenmarkt bleibt die oberste Thematik, welche durch das politische System endlich etabliert werden muss. Die aktuelle Verstaatlichung der französisch-belgischen Dexia Bank könnte ein erstes Beispiel einer weitgreifenden Umstrukturierung der europäischen Bankenlandschaft darstellen und sich auf weitere Finanzinstitute ausbreiten.
Wir sehen derzeit keine Attraktivität zur Investition in Bankentitel, zu sehr ist die weitere Entwicklung abhängig von unkalkulierbaren Risiken und der Ausnutzung der bilanztechnischen Freiräume. Von daher entzieht sich die Anlage innerhalb des Banken- und Finanzsektors jeder Grundlage einer nachhaltigen Investition und dient ausschließlich zur taktischen Spekulation.
Ihr Dr. Markus Zschaber
n-tv-Kolumne | 23. September 2011: Deutsche Autobauer geben Gas (mehr)
Dieser Tage öffneten sich wieder die Tore der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt und ermöglichten einen Blick auf die Visionen und Innovationen des Automobilsektors. Und gerade die deutschen Automobilbauer strotzen vor Kraft, trotz bekannter Krisen- und Rezessionsgefahren.
Unterschiedlicher könnten die wirtschaftlichen Fakten derzeit nicht sein. Unternehmen melden Umsatzhöchststände und Gewinnrekorde, zeitgleich liegen die Renditen der deutschen oder auch der amerikanischen Staatsanleihen auf historischen Tiefständen. Zeigen die Unternehmen also ein durchaus positives Wirtschaftsumfeld an, weisen die Entwicklungen der staatlichen Schuldverschreibungen eher eine rezessive Erwartungshaltung aus.
In einem solch divergenten Marktumfeld gilt es im Besonderen, einzelne Sektoren zu betrachten, die unternehmerische Ist-Situation zu bewerten und die strategische Positionierung zu beurteilen. In diesen Tagen zeigt sich der internationale Automobilsektor in seiner turnusmäßigen Präsenzveranstaltung, der Internationalen Automobilmesse in Frankfurt. Gerade die deutschen Automobilhersteller überraschten im Jahresverlauf mit konstant robusten Absatzzahlen und dynamischen Zukunftsprognosen. Vom derzeitigen Marktpessimismus und der anhaltenden Furcht vor einer globalen Weltwirtschaftsrezession ist in den Bilanzen bisher keine Spur zu finden. Ganz im Gegenteil vermelden die heimischen Autobauer satte Absatzdynamiken, gesunde Umsatzzahlen und, als wichtigster Indikator für das zukünftig nachhaltige Wachstum, volle Auftragsbücher bei einer Produktionsauslastung am oberen Ende der Kapazitäten. Die Autobauer geben also weiter Gas.
Doch kein Industriesektor kann sich einer möglichen Wirtschaftsabschwächung entziehen, umso entscheidender ist die nachhaltige Weiterentwicklung des bestehenden Sortiments gepaart mit der fortlaufenden Flexibilität und Anpassungsmöglichkeit an die sich verändernden Präferenzen der Kundschaft. Eben diese Wandlungsfähigkeit und Entwicklungskraft verkörpert kraftvoll die deutsche Automobilbranche, welche global durchaus als einer der innovativsten und impulsgebendsten Wirtschaftssektoren zu bewerten ist.
Modelle der heimischen Anbieter wurden schon in der Vergangenheit an individuelle Präferenzen der globalen Absatzmärkte angepasst. Ob in den alten Industrieländern oder in den stetig zunehmenden Nachfrageregionen der globalen Emerging Markets, kein anderer Wirtschaftssektor schafft es, sein Produkt für jeden dieser Weltmärkte zu gestalten. Unterschiedlichste Ansprüche hinsichtlich des Designs, der Antriebe oder der Ausstattungskomponenten erfordern laufende Weiterentwicklungen gepaart mit zukunftsträchtigen Investitionen in Forschung und Innovation. Ein Drittel der gesamtwirtschaftlichen deutschen Investitionen werden in der heimischen Automobilindustrie und dessen breiter Basis von Zulieferern und Dienstleistern getätigt und zeigt somit im Besonderen die Relevanz des Automobilsektors als Stütze der deutschen Wirtschaft.
Auch gerade die breit diversifizierte und spezialisierte Subbranche der Zulieferer kann sehr interessante Anlagemöglichkeiten bieten, jedoch muss hier insbesondere bewertet werden, im welchen Bereich der Wertschöpfung das Unternehmen tätig ist und welche Bestandteile am finalen Endprodukt hergestellt und geliefert werden. Wichtigste Grundvoraussetzung ist auch hier die Wandelbarkeit der Zulieferfirma hinsichtlich der nachhaltig neuen Technologien der näheren Zukunft beispielsweise im Bezug auf Hybrid- oder Elektroantriebe oder der zunehmend effizienten Leichtbauweise.
Auf der Suche nach bilanzstarken Qualitätsaktien kommt man, in Anbetracht der derzeit positiven Auftragslage und der strategisch effizienten Marktpositionierung, definitiv nicht an den deutschen Autobauern vorbei. Zudem haben die überverkauften Marktkorrekturen der vergangenen Wochen auch hier die fundamentale Basis auf der Kursebene nochmals verbessert. Ein selektiver Einstieg über die reale Beteiligung des Aktieninvestments kann ein risikoaffines und nachhaltig ausgerichtetes Portfolio somit durchaus auf Touren bringen.
Ihr Dr. Markus Zschaber
n-tv-Kolumne | 7. September 2011: Hinter der „Rezessions-Fassade“ (mehr)
Mittlerweile verhindert eine aus anhaltendem Pessimismus und Rezessions-Angst aufgebaute Fassade den Blick auf die Realwirtschaft. Wer sich dieser Tage auf die fundamentalen Unternehmensdaten beruft, daraufhin die wirtschaftliche Gesamtverfassung und die Aussichten positiv bewertet, gilt als extremer Optimist. Natürlich drücken massive Probleme auf die Stimmung, jedoch werden Daten aus der Realwirtschaft schlichtweg verkannt und Wachstumsprognosen aus den Führungsetagen deutscher Großunternehmen verhallen ungehört. Doch für nachhaltige Investitionen ist der Blick hinter diese Fassade unumgänglich.
Die vergangenen Wochen waren geprägt von Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten, ausgelöst von aufkeimenden Diskussionen über einen Rückfall der Weltwirtschaft in eine Rezession und einer ungelöst schwellenden Schuldenproblematik der Industrienationen. Zweifelsohne sind dieses konjunkturbelastende Probleme, welche, gepaart mit der Erkenntnis einer trägen und zunehmend handlungsunfähigen politischen Führung, auch zukünftig für starke Schwankungen sorgen werden.
Blickt man auf die aktuell ausgewiesenen Wirtschaftsdaten der Auftragseingänge, sowohl der deutschen Industrie als auch der heimischen Dienstleister, kann als Fazit festgehalten werden, dass sich die deutsche Privatwirtschaft nach über zweijähriger Wachstumsphase zwar abschwächt, aber weiterhin ein Wachstum der Sektoren signalisiert wird. Im Detail zeigen die Kern-Auftragseingänge nur einen marginalen Rückgang an und verdeutlichen zwar somit eine sicherlich zu erwartende Dynamikabschwächung, liefern jedoch keinerlei Hinweis auf einen Auftragseinbruch der deutschen Produktivität. Noch deutlicher wird dies, wenn man die nun ausgewiesene Kontraktion der Auftragseingänge mit dem kräftigen Anstieg im Vormonat in Verbindung bringt.
Ebenso vermelden die deutschen Unternehmenslenker positive Nachrichten. Die leitende Führungsriege innerhalb der deutschen Großkonzerne signalisiert hierbei nahezu branchenübergreifend, mit Blick auf Lagebeurteilung und die gut gefüllten Auftragsbücher, einen robusten und starken Zustand der deutschen Wirtschaft, konträr zum derzeitig überlagernden Konjunktur-Pessimismus. Die im globalen Frachtgüterverkehr tätige Teilsparte der Lufthansa Cargo, ein Indikator für den laufenden Welthandel, sieht keinerlei Anzeichen einer drastischen ökonomischen Verlangsamung. Zudem melden die heimischen Chemieunternehmen volle Auftragsbücher und die deutschen Autobauer bestätigen mit Rekordabsatzzahlen im „Crash-Monat“ August und nahezu ausgelasteten Produktionskapazitäten bis zum Jahresende den anhaltend unbeirrten Nachfragetrend. Zusammengefasst konstatieren die deutschen Firmenbosse in Anbetracht des intakten innerbetrieblichen Potenzials, ein völlig divergentes Bild zur Rezessions-Panik und negativen Börsenstimmung an den Finanzmärkten.
Wie bereits mehrfach angesprochen war eine Abschwächung der Wachstumsdynamik im Vergleich zu den starken Vorquartalen zu erwarten, die größtenteils panikartige Reaktion auf dem Börsenparkett halten wir jedoch für überzogen.
In solch emotional überlagerten Börsenzeiten gilt es sich auf die neutralen Fakten aus der Realwirtschaft zu konzentrieren, diese akribisch zu bewerten und Signale aus den Unternehmen aufzunehmen. Für langfristig orientierte Aktienanleger gilt fortwährend, neben einer weiterhin erhöhten taktischen Liquiditätsquote, die Devise der Fokussierung auf nachhaltige Qualitätsaktien, welche sich, durch die anhaltende Marktnervosität nochmals verbilligt haben. Unserer Meinung nach stehen die Märkte unter Berücksichtigung der altbekannten Probleme nicht vor goldenen, aber mit einem neutralen Blick hinter die „Rezessions-Fassade“ und gestützt durch robust positive Daten aus den Unternehmen, vor sich aufhellenden Herbstmonaten und offerieren attraktive Chancen, vor allem für den deutschen Aktienmarkt.
Ihr Dr. Markus Zschaber
n-tv-Kolumne | 23. August 2011: Nur eine Momentaufnahme (mehr)
Die Sorge um die deutsche Wirtschaft wächst. Konjunkturdaten skizzieren ein Bild der Schwäche. Markus Zschaber hält das für übetrieben. Einiges spreche dafür, so der Ökonom, dass es sich dabei nur um ein „kraftvolles Luftholen“ handelt.
Als Wirtschaftsmotor der lahmenden Eurozone gefeiert und dynamisch ins Jahr gestartet, folgt für die deutsche Wirtschaft nun der erste Dämpfer: Deutschlands Konjunktur hat sich im zweiten Quartal abgeschwächt und den langgehegten Nimbus einer Teflon-Wirtschaft verloren. Ungelöste Verschuldungsprobleme, stagnierende Industrienationen und eingeleitete Bremsmaßnahmen in den asiatischen Absatzmärkten haben ihre Spuren hinterlassen. Doch die deutsche Wirtschaft ist robust genug und einige Tatsachen deuten darauf hin, dass diese Konjunkturschwäche nur eine Momentaufnahme ist.
Zu Beginn der Woche sorgte die Meldung über eine beinahe stagnierende deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal für zusätzlichen Pessimismus auf den ohnehin verunsicherten Märkten. Die Vorzeige-Wirtschaft schlechthin, welche im Reigen der industrialisierten Nation das dynamischste Wirtschaftswachstum aufwies, muss nun auch den globalen Problemen Tribut zollen. Doch bei zweifelsohne flankierenden Problemen deuten einige Tatsachen darauf hin, dass sich das nun ausgewiesene wirtschaftliche Durchatmen im zweiten Quartal durchaus als kraftvolles Luftholen im anhaltenden Konjunkturzyklus erweisen kann.
Die Abkühlung des deutschen Bruttoinlandsproduktes konnte bereits seit einigen Monaten erwartet werden. Nachkrisenbedingte Rebound-Effekte liefen aus, zusätzlich wurden aufgrund der milden Witterung Aufträge aus der Bauwirtschaft ins erste Quartal vorgezogen. Auch von Seiten des Außenbeitrags kamen keine positiven Impulse. Jedoch ist auch hier der Blick aufs Detail entscheidend für die nachhaltige Beurteilung der wirtschaftlichen Verfassung unserer heimischen Wirtschaft. Denn nicht der so wichtige Export schwächelte, lediglich überstiegen in diesem Quartal die Importe die Ausfuhren. Zudem fiel die Energieproduktion wegen des verhängten Atommoratoriums auf den niedrigen Stand von vor 20 Jahren, wodurch die Bruttoinlandsproduktivität stark beeinflusst wurde.
Geld fließt zurück nach Deutschland
Als ökonomisch viel nachhaltiger ist der anhaltend positive Effekt der Unternehmensinvestitionen zu bewerten. In den zurückliegenden zehn Jahren bis hin zur Weltwirtschaftskrise galt Deutschland für Kapitalinvestitionen als nicht wirklich attraktiv: Ein deutlich geringeres Wachstum als im Rest Europas, höhere Arbeitslosigkeit und zwingend notwendige Reformen im Sozialsystem und auf dem Arbeitsmarkt à la „Agenda 2010“ führten dazu, dass weder Direktinvestitionen aus dem Ausland, noch einheimisches Kapital aus deutschen Ersparnissen in den Wirtschaftsstandort Deutschland investiert wurde.
Stattdessen floss es mitunter in den Bauboom Spaniens oder der Südperipherie im Allgemeinen, da hier hohe Renditen und Wachstumschancen lockten. So galt Deutschland über viele Jahre der Euro-Dekade als Nettokapitalexporteur, rund zwei Drittel des deutschen Kapitals haben in diesem Zeitraum das Land verlassen. Hier hat die Weltwirtschaftskrise einen Umkehrungsprozess bewirkt, denn stand zuvor die Rendite im Vordergrund, so gilt nun die Sicherheit als oberste Prämisse der Investoren. Somit kommt zuvor ins europäische Ausland abgeflossene Kapital zurück und wird nun in den Standort Deutschland investiert, welcher aktuell die niedrigste Arbeitslosigkeit und ein ansteigendes gesamtwirtschaftliches Einkommensniveau aufweist.
Zudem ist die globale Nachfragedynamik nach deutschen Produkten ungebrochen und unterstreicht die herausragende Qualität heimischer Güter. Selbst bei sich derzeit zeigender, eher schleppender Entwicklung einiger Absatzmärkte in der direkten europäischen Nachbarschaft, hat die deutsche Exportwirtschaft eine sensationelle Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bewiesen und sich effizient auf den lukrativen Absatzmärkten der asiatischen und lateinamerikanischen Schwellenländer positioniert.
Erstklassige Chancen für Anleger
Natürlich bleibt festzuhalten, dass sich die heimische Wirtschaft nicht dem kurzfristig konjunkturellen Zyklus entziehen kann und dass hartnäckige Rezessions- und Verschuldungssorgen anhaltend ausgeweitete Volatilitäten mit sich bringen. Doch Deutschland bietet getragen von einem stabilen und qualitativ hochwertigen Exportgütersektor, einem wieder erstarkenden Binnenmarkt, ansteigenden Investitionen aus dem In- und Ausland und einem innovativen Mittelstand, aus ökonomischer Sicht eine sehr interessante Perspektive.
Wer sein Portfolio neben einer derzeit erhöhten taktischen Liquiditätsquote um Qualitätsunternehmen ausbaut, findet in der aktuellen Marktphase und gerade auf dem heimischen Markt erstklassige Unternehmen, deren Partizipation am Welthandel und an den Entwicklungen des Heimatmarktes sehr groß ist. Zumindest eine moderate Abkühlung der Weltwirtschaft war zu erwarten, doch der panikartige Ausverkauf deutscher Unternehmensbeteiligungen der letzten Wochen, spiegelt keineswegs das Potenzial heimischer Unternehmen wider und bietet für risikoaffine und langfristig orientierte Aktienanleger eine äußerst attraktive Chance.
Ihr Dr. Markus Zschaber
n-tv-Kolumne | 1. August 2011: Unternehmensrekorde im Schuldenschatten (mehr)
Tiefgreifende Problemszenarien überlagern an den Märkten Rekordgewinne aus den Unternehmen und verhindern positive Kursreaktionen. Die Euro-Schuldenkrise ist nur kurzzeitig verschoben, schon folgt nahtlos der US-Schuldenstreit. Umso wichtiger ist ein detaillierter Blick auf die Bilanzen.
Die ausufernde Staatsschuldenkrise innerhalb der europäischen Wirtschaftsunion konnte nach einem weiteren Rettungspaket erst einmal kaschiert werden. Ein Übergreifen auf die für eine wirtschaftliche Stabilität deutlich bedeutenderen Nationen Spanien und Italien blieb zwar nicht aus, wurde in der Börsenwelt jedoch überschattet durch die sich prekär zuspitzende Entwicklung in der größten aller Volkswirtschaften. Denn jenseits des Atlantiks entwickelte sich die US-Schuldenthematik in einen handfesten Schuldenstreit zwischen den beiden Politlagern aus Demokraten und Republikanern. Keine der Seiten wollte die jeweilige Position verlassen, befindet man sich doch bereits im Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr. Hierin begründet wurde um Kompromisse hart gerungen, welche zur Anhebung der bald erreichten Schuldengrenze zwingend notwendig sind. Die nun gefundene Annäherung verschiebt die Problematik zwar in die Zukunft, von nachhaltigen Lösungsvorschlägen zur Sanierung der Staatskasse, effektiver Stimulation der undynamischen Wirtschaft und einem effektivem Angehen des maroden, belastenden Arbeitsmarktes ist man aber noch weit entfernt.
Auf einem Auge blind
Die letzten Tage zeigten deutlich, dass in einem Umfeld allgegenwärtiger Staatsprobleme durchaus starke Unternehmensberichte zum abgelaufenen ersten Halbjahr komplett in den Hintergrund geraten. Zuerst von den US-amerikanischen Global Player berichtet und von heimischen Unternehmen bestätigt, wurden überwiegend positive Umsatz- und Gewinnzahlen ausgewiesen, jedoch konnten diese den Markt auf der Kursseite nicht beflügeln. Nur wirklich stark positive Berichte können den jeweiligen Einzelwert beeinflussen, den Gesamtmarkt jedoch nicht aufwerten.
Schwächere oder gar nur leicht positive Bilanzergebnisse führten teils zu enttäuschenden Beurteilungen und infolge dessen, passend zur derzeitigen Risikoaversion und zum hartnäckigen Pessimismus, zu deutlichen Kursrückgängen. Gerade die unternehmerischen Ausblicke für die kommenden Handelszeiten offenbarten zunehmende Schwierigkeiten bei der Wachstumsdynamik und somit der künftigen Gewinnprognose, sprich die dynamischen Stimulationen durch sogenannte Aufholeffekte sind durchaus abgeflacht und für Unternehmen wird es zunehmend schwerer, operatives Wachstum zu generieren.
Auch die Aussicht auf eine zwar schwächere, aber weiterhin intakte und robuste, globale Wirtschaftsdynamik konnte keine positiven Impulse liefern. Denn hätte sich ein, vor wenigen Monaten noch undenkbares Szenario einer, auch nur temporären Zahlungsunfähigkeit der größten Volkswirtschaft, zugleich des größten Schuldners der Welt, verfestigt, wären bisherige Konjunkturprognosen hinfällig geworden.
Blatt wendet sich
Wir haben selbst in der sich zuspitzenden Debatte keinen Zahlungsausfall erwartet, jedoch gilt es nun genau zu beobachten, welche Kompromisse beschlossen wurden und inwieweit Einsparungen und Kürzungen zur Defizitbekämpfung, die Wirtschaft und Verbraucher künftig belasten. Zusammengefasst konnte eine extreme Zurückhaltung und starke Risikoaversion festgestellt werden, welche in einem derart schwer zu kalkulierenden Marktumfeld nachvollziehbar ist. Die Umsatzzahlen der Unternehmen signalisieren jedoch fortlaufend neben einem breiten Fundament ein funktionierendes Geschäftsmodell und für zukünftige Ertragserwartungen rentable Positionierungen. Unter Ausschluss extremer Ereignisse, welche ein nachträglicher Schuldenkollaps dies- oder jenseits des Atlantiks mit sich bringen würde, wird unserer Meinung nach der Markt wieder verstärkt die positiven Fundamentaldaten der Globalwirtschaft bewerten. Um in Zeiten, in welchen Rekordzahlen nicht reichen oder gute Berichtszahlen nicht gut genug sind, das eigene Portfolio qualitativ und nachhaltig aufzustellen, bedarf es einem geschärften Blick auf die Unternehmenskennzahlen und die Möglichkeit der kurzfristigen Absicherung. Zudem sollte ein liquider Bestand vorgehalten werden, um in den volatilen Marktreaktionen Einstiegskurse rentabel nutzen zu können.
Ihr Dr. Markus Zschaber
n-tv-Kolumne | 11. Juni 2011: Quo vadis USA? (mehr)
In den nachrichtenarmen Vorsommermonaten richtet sich der Fokus der Märkte auf markante Konjunktur- und Wirtschaftsdaten. Besonderes Augenmerk wird hierbei momentan den USA zuteil. Befindet sich die größte Volkswirtschaft der Welt weiterhin auf dem Weg eines, wenn auch eher schwachen Aufschwungs oder gerät dieser bereits wieder ins Stocken?
Die globale Berichts- und Dividendensaison der Unternehmen ist gelaufen, da suchen die Börse und deren Marktteilnehmer nach neuen, richtungweisenden Wirtschaftsdaten. Die asiatischen und lateinamerikanischen Schwellenländer haben die Wirtschaftskrise überwunden bzw. sind sogar konstant durch deren Verlauf gekommen. Allerdings zeigt sich auch hier eine etwas abnehmende Dynamik im gegenwärtigen Konjunkturzyklus.
Die skandinavischen Länder und die europäischen Kernländer, allen voran Deutschland gefolgt von Frankreich, und die von dieser Entwicklung profitierenden, osteuropäischen Entwicklungsnationen und Anrainerstaaten, haben sich faktisch aus dem tiefen Tal der Rezession gearbeitet. Bezugnehmend auf die in diesen Nationen vorzufindende Aufschwungsphase kann festgehalten werden, dass sich diese zwar auch aktuell etwas verlangsamt, die Perspektive für die kommenden Jahre aber durchaus eine solide Struktur anzeigt. Jeder ökonomisch nachhaltige Zyklus benötigt diese Phase, insofern bewerten wir diese Entwicklung als gesunde Konjunkturzyklik.
Jedoch darf man in Zeiten der weltumspannenden Globalisierung, mit vernetzten Handelswegen und Absatzmärkten bei zunehmend wechselseitiger Wirtschaftsabhängigkeit, die größte Volkswirtschaft der Welt nicht außer Acht lassen. Zwar hat die frühere Börsenweisheit, dass wenn die USA niesen, der Rest der Welt einen Schnupfen bekommt, unserer Meinung nach teilweise an Tragweite verloren und der Paradigmenwechsel zugunsten der Schwellenländer ist spätestens seit der jüngsten Krise im vollen Gange, aber die wirtschaftliche Macht der US-Ökonomie und deren Gewichtung für die globale Wirtschaftsentwicklung ist weiterhin allgegenwärtig.
Auch die US-Wirtschaft zeigte zu Beginn des Jahres positive Erholungstendenzen, untermauert von starken Unternehmensdaten und ökonomischen Aufholeffekten. Doch die zuletzt ausgewiesenen Konjunktur- und Wirtschaftsdaten, zusammengefasst im Beige Book, dem regelmäßig erstellten amerikanischen Konjunkturbericht, lassen divergente Entwicklungen feststellen, welche die Märkte verunsicherte und an der Robustheit der Wirtschaftserholung zweifeln lies. Schlussendlich führte dies in den letzten Tagen zu erhöhten Volatilitäten an den Handelsplätzen.
Der US-Industriesektor zeigt sich zwar weiterhin in robuster Verfassung, wächst jedoch langsamer als noch zu Jahresbeginn. Betrachtet man die zuletzt ausgewiesenen Konjunkturindikatoren aus Industrie und Wirtschaft und bezieht die Daten einiger Konjunkturbarometer mit ein, bleibt für uns festzuhalten, dass sich die USA zwar schwächer als Ihr Potenzialwachstum entwickelt, jedoch weiterhin konstante Erholungstendenzen aufweist.
Bewertet man die Binnenkonjunktur des Landes an, zeigt sich, dass die für die US-Ökonomie so existentiell wichtige Konsumlaune der US-Verbraucher eher gedämpft ist. Vor allem deren Kaufkraft ist nach wie vor der globale Taktgeber der Konsumwirtschaft, nach dessen Nachfrage- und Konsumwünschen sich weltweit produzierende Unternehmen von der Grundgüterindustrie bis zur Luxusbranche ausrichten. Eben dieser US-Konsument hält sich weiterhin mit Ausgaben zurück, aufgrund der drastischen Vermögensverluste an Hypothekenwerten während der Krise, sowie verunsichert durch die anhaltend strukturellen Probleme am Arbeitsmarkt mit immer wiederkehrenden Rückschlägen, sowie den kaufkraftbelastenden Entwicklungen der Energiepreise.
Zudem wird die stimulierende Nachfrage von staatlicher Seite und die Möglichkeit weiterer monetärer Unterstützungsmaßnahmen durch die US-Regierung künftig wahrscheinlich deutlich reduziert werden, da das ausufernde Haushaltsbilanzdefizit einhergehend mit einem Rekordschuldenstand die finanzpolitischen Handlungsfähigkeit zunehmend einengt und die Thematik der aktuellen Verschuldungsproblematik mittlerweile offen an den Märkten diskutiert wird.
Kurzfristig sollte sich die Dynamik der Konjunktur weiterhin etwas abschwächen, für die beiden letzten Quartale sehen wir für ein positives Wachstum durchaus gute Voraussetzungen gegeben. In diesem Wirtschaftsumfeld gilt es für jeden Anleger die, in der amerikanischen Unternehmenslandschaft zahlreich vorhandenen Weltmarktführer und Global Player zu finden, welche sich in der Krisenphase kosteneffizient gesundet haben, ihre Marktposition global auf zukunftsträchtige Regionen ausweiten konnten und zudem über ein strategisch nutzbares Kapitalposter zur Innovation und Weiterentwicklung Ihrer Produkte verfügen.
Diese Unternehmen besitzen die strukturelle Stärke und Qualität kurzfristige, strukturelle Konjunkturschwankungen auf dem Heimatmarkt auszugleichen, spiegeln den globalen Aufschwungstrend in Ihren Bilanzen wider und bieten somit eine rentable Diversifikation für jedes Depot.
Ihr Dr. Markus Zschaber
n-tv-Kolumne | 24. Mai 2011: Dem Börsen-Frühling folgt der Sommer (mehr)
Gut ins Jahr gestartet, global unterstützt von positiven Unternehmens- und Konjunkturdaten und bis zuletzt von der positiven Bilanz- und Dividendensaison getragen, konnten sich die Märkte bisher gegen vielseitige Krisenszenarien durchsetzen. Selbst die allgegenwärtige Verschuldungskrise in der europäischen Peripherie und jenseits des Atlantiks konnten die globalen Aufschwungstendenzen höchstens dämpfen. Doch welche Nachrichtenlage wird die Märkte in den nächsten Wochen überlagern und somit die Marktrichtung bestimmen?
Betrachtet man die Entwicklung an den heimischen Börsenmärkten kann man seit Jahresanfang, im Einklang mit dem sonnigen Frühlingswetter, durchaus eine positive Bilanz ziehen. Ruft man sich die einzelnen Krisenszenarien in Japan sowie die politischen Umwälzungen im Nahen Osten zurück ins Gedächtnis, ist der bisherige Börsenverlauf umso beeindruckender und reflektiert seine fundamentale Stärke. Doch mit Ablauf der, wieder einmal starken Dividenden- und Berichtssaison der Unternehmen, bleiben vorerst unternehmensinterne Daten aus, welche die Kursfantasie weiter beflügeln und den positiven Aktientrend unterstützen könnten. Zudem befinden sich zahlreiche Konjunkturbarometer bereits auf einem hohen Niveau und die Ertrags- oder Umsatzdynamiken sowie das Gewinnmomentum seitens der Unternehmen lassen sich aufgrund der immer höheren Vergleichsbasis nicht fortlaufend in zweistelligen Prozentraten steigern.
Stattdessen schwelen unter der Oberfläche unverändert negative, teils ungeklärte oder ungelöste Probleme. Die bereits angesprochenen geopolitischen Risiken, einhergehend mit den Volatilitäten am Öl- und Rohstoffmarkt und die europäische Schuldenkrise. Auch die zunehmende Fokussierung der Verschuldungssituation jenseits des Atlantiks, innerhalb der weltgrößten Volkswirtschaft den USA, verunsichert Anleger und dämpft derzeit zunehmend die amerikanische Aufholdynamik, sodass in der Folge bereits erste Konjunktursorgen geäußert werden.
Doch bei all diesen pessimistischen Entwicklungsszenarien gilt derzeit festzuhalten, dass das derzeitige Wirtschaftsniveau auf einer fundamental soliden Basis steht, wie auch der heute veröffentlichte IFO Stand aufzeigt. Zum einen hat die Industrie den Weg aus der Rezession bereitet und verstärkt nun die positive Ausgangsbasis, auch finden die Verbraucher wieder verstärkt den Weg in die Geschäfte und stellen somit eine weitere, stützende Säule dar.
Eben diesen globalen Konsumzyklus bewerten wir als einen lang anhaltenden und nachhaltigen Trend, welcher auch aus dem deutschen Aktienuniversum mithilfe global agierender Qualitätsunternehmen rentabel genutzt werden kann. Gerade die heimische Wirtschaft strotz vor Kraft, trägt sie auch als „Wachstums-Lokomotive“ und „Euro-Geldgeber“ fast allein die Verantwortung wirtschaftlicher Entwicklung und Stabilität. In Zeiten stärkster Wachstumsraten der deutschen Wirtschaft seit der Wiedervereinigung sowie der deutlichen Prognoseerhöhung des zu erwarteten BIPs deuten selbst konstant stabile Gewinnaussichten der Unternehmen auf eine attraktive Marktbewertung hin.
Aufgrund intensiver Beobachtung der Marktentwicklungen, detaillierter Analyse der konjunkturellen Wirtschaftsdaten und der laufenden Bewertung konjunktursensitiver Krisenszenarios bestärkt, halten wir an unserer langfristigen Prognose eines weiterhin robusten Marktzustands im moderaten Aufschwungs- und Wachstumsumfeld fest. Allerdings gilt über den Sommer hinweg genauestens zu beobachten, in wie weit sich Szenarien um Griechenland, Portugal, Irland und Italien verstärken bzw. sich negativer entwickeln, denn hierdurch ergebe sich eine neue Fragestellung an den Märkten, die auch das Wachstum eintrüben würde!
Jedem Anleger, ob privater oder institutioneller Natur sollte jedoch bewusst sein, dass sich die Volatilitäten an den Märkten begründet in den benannten möglichen Negativentwicklungen daher ausweiten werden, welches unserer Ansicht nach jedoch zeitweise selektive Einstiegsmomente bieten.
Als oberstes Kredo definieren wir derzeit eine ausgewogene Balance aus der laufenden Überwachung bzw. Risikoadjustierung und dem qualitativen Ausbau des Portfolios, um dieses, getreu dem meteorologischen Titel dieser Kolumne, in eher schattigen Zeiten zu schützen, aber auch, um die sonnigen Zeiträume zielgerichtet zu nutzen.
Ihr Dr. Markus Zschaber
n-tv-Kolumne | 8. April 2011: Ein erster Zinsschritt zur Normalität (mehr)
In der Finanzkrise haben die Notenbanken die Leitzinsen auf historische Tiefstände reduziert und die Märkte mit billigem Geld geflutet. Nun lassen robuste Aufschwungstendenzen und die anziehende Inflation die EZB handeln. Europas Währungshüter wagen mit dem Zinsschritt den ersten Schritt zur Normalität.
In Folge der sich zuspitzenden Finanzmarktkrise im Herbst 2008 und der dramatisch einbrechenden Konjunktur leiteten die Notenbanken der etablierten Industrienationen einen stark expansiven geldpolitischen Kurs ein und stellten somit überlebensnotwendige Liquidität für den bedrohten Finanzsektor bereit. Ebenso auch die, für die heimische Preisstabilität und die Unterstützung der allgemeinen Wirtschaftspolitik zuständige Europäische Zentralbank.
An der stützenden Intervention und der fiskalpolitischen Grundausrichtung seitens der Notenbanken hat sich in den vergangenen Monaten des moderaten aber robusten Aufschwungs nichts Grundlegendes geändert. Zwar wurde teilweise unter Zuhilfenahme geldpolitische Instrumentarien ein „weicher“ Exit eingeleitet, doch der repräsentative Leitzins wurde letztendlich nicht angehoben.
In den letzten Statements der europäischen Währungshüter zur aktuellen Wirtschaftslage, allen voran des Präsidenten Jean-Claude Trichet, konnte man erkennen, dass neben den weiterhin dynamischen Erholungstendenzen in Kerneuropa, anziehende Inflationstendenzen und ein anwachsendes Geldmengenwachstum die Grundlage für eine moderate Zinserhöhung darstellen, wodurch eine bevorstehende Zinswende wahrscheinlich wurde.
Dieser Zinsschritt wurde folgerichtig um 25 Basispunkte durchgeführt und traf somit genau die Erwartungen der Marktteilnehmer. Aufgrund dieser Tatsache blieben große Marktbewegungen aus. Zwar ist die Entwicklung des risikolosen Zinses für den Anleiheinvestor neben der Restlaufzeit und der Emittentenbonität ein kursbestimmender Faktor, da diese Zinswende jedoch absehbar war und zudem eher moderat ausfällt, wird es kaum zu extremen Kursrückgängen kommen. Auch der Devisenmarkt hat die nun vollzogene Zinserhöhung in den vergangenen Wochen bereits vorweggenommen, verdeutlicht durch die starke Euro/Dollar – Entwicklung zugunsten unserer Gemeinschaftswährung trotz wieder aufkeimender Verschuldungsproblematiken der Peripherie. Am Aktienmarkt bewerten Unternehmer, Analysten und Anleger unisono die jetzt eingeleitete Zinswende der EZB als positives Signal, welches die Konstanz und Robustheit eines selbsttragenden Konjunkturaufschwungs verdeutlicht und eine angemessene Normalisierung der Märkte darstellt.
Diese Zinswende bezeichne ich als Ökonom in doppelter Bedeutung mit „erster Zinsschritt“, da dieser Erhöhung zum einen im weiteren Jahresverlauf noch weitere moderate Zinsanhebungen folgen werden und zum anderen die EZB als erste Notenbank der industrialisierten Wirtschaftszentren diesen Ausstieg aus der expansiven Fiskalpolitik wagt. Denn richtet man den Blick über den Atlantik auf die US-Notenbank Fed, überwiegt dort noch eine deutliche Zurückhaltung in punkto Zinswende. Zu erkennen ist hier, dass die US-Wirtschaft noch nicht die selbsttragenden Konjunkturkräfte besitzt wie die kerneuropäischen Länder und zudem die nachhaltigen Besserungstendenzen am Arbeitsmarkt noch zu unkonstant sind. Darüber hinaus sieht der amerikanische Notenbank-Chef Ben Bernanke die Inflationsentwicklungen derzeit noch als kurzfristige Entwicklungen, getragen von gestiegenen Rohstoff- und Energiepreisen, und als nicht nachhaltig vakant. Mit einer Abkehr von der derzeitig historischen Niedrigzinspolitik wird in der größten Volkswirtschaft erst im kommenden Jahr gerechnet.
Als nachhaltig orientierter Anleger und aktiver Vermögensverwalter gilt es jetzt den Blick nicht nur begrenzt auf die gegenwärtige, sondern intensiv auf die zukünftige, fiskalpolitische Ausrichtung der EZB zu richten, diese zu analysieren, Einschätzungen der Notenbanker zu bewerten und sein Portfolio hiernach zu überprüfen.
Festzuhalten bleibt für mich, dass die Zinswende notwendig war und die Erhöhung des Leitzinses als ein deutliches Signal zur Inflationsbekämpfung darstellt und zudem die fundamentale Stärke des wirtschaftlichen Zyklus untermauert. Durch diesen ersten und sicherlich nicht letzten Zinsschritt innerhalb dieses Jahres, wird die Konjunktur nicht abgebremst, da der Refinanzierungssatz weiterhin expansiv ist und somit zukunftsorientierte Investitionen für Unternehmen finanzierbar und hierdurch realisierbar bleiben. Die Anhebung des Leitzinses ist somit die konsequente Folge der robusten Konjunktur und der erste Schritt auf dem Wege zur ökonomischen Normalität.
Ihr Dr. Markus Zschaber
n-tv-Kolumne | 30. März 2011: Konjunkturdaten überlagern Ängste (mehr)
Mit zeitlichem und emotionalem Abstand zu den andauernden Krisenherden und Katastrophenszenarien gewinnen fundamentale Konjunkturdaten an Bedeutung. Diese Signale kehren zurück in den Fokus der Märkte, untermauern den globalen Wachstumstrend und dürften den nachhaltig investierten Aktienanleger bestätigen.
Nachdem die Märkte in den zurückliegenden Wochen mitunter deutlich durch emotionale Reaktionen bestimmt wurden und Anleger verängstigt Risikopapiere abgestoßen haben, zeigte vor allem die vergangene Handelswoche, dass durchaus gute Konjunkturdaten eine Unterstützung darstellen und den Markteilnehmern wieder den Blick in Richtung der wirtschaftlichen Grunddaten aufzeigen.
Allem voran signalisiert einer der bedeutendsten deutschen Konjunkturbarometer, der Ifo-Geschäftsklimaindex, eine anhaltend positive Stimmungslage unter den befragten Wirtschaftsmanager und liegt somit nach wie vor auf einem markant hohen Niveau, welches einen robusten Wirtschaftsaufschwung untermauert. Zwar trübten sich die Aussichten auf die kommenden Wirtschaftsmonate leicht ein, die aktuelle Geschäftslage bewertet die deutsche Unternehmerlandschaft jedoch als so gut wie seit 20 Jahren nicht mehr. Zudem sendet dieser Bericht ein deutliches Signal fundamentaler Stärke der deutschen Wirtschaft, da die abgegebenen Einschätzungen der Befragten größtenteils nach den sicherlich beeinflussenden Schreckensszenarien aus Japan vermeldet wurden.
Kurz vor Beginn der jährlichen Dividendensaison verdeutlichen die angekündigten Ausschüttungen die langfristig intakten Erholungstendenzen im deutschen Leitindex. Neben der, von den Unternehmen bereitgestellten Rekordsumme von über 25 Milliarden Euro, gilt es auch die breite Basis zu erkennen, denn 23 der 30 Konzerne haben die Gewinnbeteiligungen an Aktionäre teils deutlich angehoben.
Die sich zwar nur moderat, aber letztendlich konstant entwickelnde US-Wirtschaft konnte in den vergangenen Handelswochen auch mit durchaus positiven Konjunkturdaten aufwarten, wodurch sowohl der Leitindex Dow-Jones sowie der breiter gefasste S&P 500 die psychologisch bedingten Kursrückschläge binnen weniger Börsentage wieder glätten konnte. Von dieser Entwicklung abgeleitet kann man auch dem heimischen Dax ein gewisses Aufholpotenzial zutrauen, da hier der Kursrückgang noch nicht wieder aufgeholt werden konnte.
Als fundamental ausgerichteter Vermögensverwalter richtet sich die Anlagestrategie jedoch nicht auf charttechnische Gegenreaktionen aus, stattdessen liegt eine nachhaltig rentable Aktienpositionierung in der detaillierten Analyse der Unternehmensdaten begründet. Diese bieten derzeit unverändert eine robuste Basis und günstige Bewertungen bezogen auf die Bilanzkennzahlen nicht nur unverändert in Deutschland, sondern auch international selektiv in einigen Branchen und Sektoren. Schlussendlich belegen weltweit ausgewiesene Wirtschaftsindikatoren den weiterhin intakten, konjunkturellen Wachstumstrend, welcher durch die angesprochenen Szenarien mit derzeitigem Ausmaß zwar gedämpft, dessen Stärke und Robustheit aber nicht umgekehrt wird.
Ihr Dr. Markus Zschaber
n-tv-Kolumne | 23. März 2011: Volatilitäten zum Einstieg nutzen (mehr)
Von geopolitischen Krisensituationen im Nahen Osten, anhaltender Nervosität an den Ölmärkten bis hin zum Japan-Schock - Krisenszenarien sorgen für eine ausgeweitete Volatilität an den Aktienmärkten. Demgegenüber stehen jedoch nach wie vor robuste Fundamentaldaten, betont Geldanlage-Experte Markus Zschaber.
Schwankungen gehören zum Marktgeschehen, diese zu nutzen, ist die Kunst des nachhaltig rentablen Investierens. Das Streben nach Demokratie, der Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung in weiten Teilen Nordafrikas und im Nahen Osten hält uns in Atem. Hiermit verbunden sorgt die Preisdynamik des unverzichtbaren Öls als „Schmiermittel“ der weltweiten Wirtschaftsproduktion für Beunruhigung, und die verheerenden Naturkatastrophen mit einem sich zuspitzenden atomaren Horrorszenario in Japan schockiert die Welt.
Auf den internationalen Aktienmärkten ist dies folgerichtig nicht anders, führen diese Ereignisse doch hier ebenso zu Nervosität und Ungewissheit und spiegeln somit die persönlichen Einschätzungen und Meinungen privater Aktionäre, institutioneller Akteure und Großinvestoren wider. Begründet ist dies im Grundprinzip des börslichen Handelns, welcher bestimmt ist durch den ökonomischen Grundsatz aus Angebot und Nachfrage der jeweiligen Marktteilnehmer. Und hierzu gehört nun einmal auch die Komponente der Psychologie, der positiven sowie negativen Übertreibung – sprich der Euphorie oder Panik.
Schlussendlich stellt sich die Frage, haben sich aufgrund der gegebenen Situationen die Fundamentaldaten, der nachhaltige Konjunkturzyklus und die robusten Unternehmensdaten verändert? Und eben diese Frage muss sich jeder Anleger stellen, der eine solide und wertbeständige Anlagestrategie verfolgt.
Nun hat sich die Dynamik einer durchaus optimistischen Einschätzung der weltwirtschaftlichen Lage gewandelt, belastet durch die angesprochenen Szenarien. In einer solchen Phase gilt es analytisch zu bewerten, wie es um die globalwirtschaftliche, die regionale und branchenspezifische Lage bestellt ist. In den vergangenen Tagen meldeten uns die verschiedensten Ökonomien wichtige Einblicke, welche jedoch unter der verständlichen Berichterstattung über die katastrophalen Ereignisse nicht verstärkt wahrgenommen wurden.
Harte Daten gegen Emotionen
Sowohl die laufend kommunizierten Unternehmensdaten, Berichte über die tatsächlich eher geringe Ölabhängigkeit aus dem politisch instabilen Libyen, als auch die Sitzung der US-Notenbank Fed, welche ein zunehmendes Wachstum der amerikanischen Inlandsnachfrage, eine verbesserte Lage am Arbeitsmarkt und schlussendlich eine breitere Basis der Konjunkturerholung ausweist, signalisieren deutlich intakte Wirtschaftsdynamiken.
Zudem konnte sich Spanien, aufgrund der Euro-Schuldenkrise weiterhin im Fokus, trotz der vorangegangenen Bonitätsherabstufungen, zu günstigeren Kreditkonditionen am Kapitalmarkt finanzieren, was als positives Signal aufgenommen werden darf.
Natürlich ist es in einer Phase, in welcher exogene Ereignisse die Gemütslage der globalen Handelswelt beeinflussen und deren Auswirkungen, ob nun eine politische Neuausrichtung im Nahen Osten oder eine langfristig atomare Kontamination der japanischen Volkswirtschaft, zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen sind, elementar wichtig, seine Portfolioausrichtung an sich verändernde Lagemeldungen aktiv und flexibel anpassen zu können.
Bei einer deutlichen Zuspitzung der Szenarien könnten auch durchaus Beeinträchtigungen für die globale Wirtschaftsentwicklung eintreten. Auch hierfür darf in einer nachhaltig ausgerichteten Anlagestrategie niemals der Blick verloren gehen.
Wie lange dauert die nervöse Phase?
Diese momentan vorherrschende Disparität aus sehr guten fundamentalen Wirtschaftsdaten, welche jedoch von den bereits genannten Schock-Szenarien in den Schatten gestellt werden, lässt mich die aktuell ausgeweiteten Volatilitäten als eher kurzfristige Marktschwankungen bewerten. Untermauert wird meine Einschätzung auch durch den aktuellen Bericht des ZEW-Instituts. Mit Eintritt der Naturkatastrophen und deren weiteren Verlauf fiel der Umfragedurchschnitt der befragten Finanzanalysten, zuvor beurteilten diese die wirtschaftliche Lage und zukünftige Konjunkturerwartungen aufgrund der fundamentalen Wirtschaftsdaten als weiterhin positiv und dynamisch.
In vorangegangenen Kolumnen und Statements habe ich das aktuelle Börsenjahr 2011 bereits als durchaus volatil, also mitunter schwankungsintensiv beschrieben. Als Fazit möchte ich festhalten, dass durch die derzeitig exogenen Ereignisse Schwankungen entstanden sind, welche es zu nutzen gilt, um durch aktives antizyklisches Investieren und über ein selektives Aufstocken qualitativer Portfoliopositionen nachhaltig Performance zu generieren.
Ihr Dr. Markus C. Zschaber
n-tv-Kolumne | 5. März 2011: Mit Vollgas aus der Krise (mehr)
Von staatlichen Hilfsprogrammen à la Abwrackprämie unterstützt und angepriesen mit sich laufend überbietenden Kampfangeboten und Preisrabatten wurden im Krisenzeitraum die Absatzzahlen stimuliert. Doch auch nach Wegfall der monetären Kaufanreize und trotz der „Billig-Konkurrenz“ aus Fernost – der Automobilsektor ist robust und zeigt: Qualität setzt sich durch.
Wie jeder industrialisierte Wirtschaftszweig hat auch der Automobilsektor in seiner Geschichte bereits mehrere Absatzkrisen erlebt. Zweifelsohne war die Einbruchsdramatik im Krisenzeitraum nach Lehman eine der ausgeprägtesten und führte, aus der Retroperspektive betrachtet, folgerichtig zu fiskalpolitischen Stützungsprogrammen, welche gepaart mit deutlichen Preisnachlässen und Sonderaktionen der Autohäuser, die Kaufbereitschaft der Deutschen stimulierte und somit eindeutig die Inlandsnachfrage am Leben hielt. Schlussendlich kann man festhalten, dass durch den bereitgestellten Budgetrahmen von etwa fünf Milliarden Euro die Absatzkrise teilweise geglättet, zahlreiche Arbeitsplätze unter Einbeziehung der Kurzarbeitflexibilität gerettet und die breite Basis der Zuliefererfirmen vor großflächigen Pleitewellen geschützt werden konnten.
Der von pessimistischer Seite proklamierte negative Rebound der Absatzzahlen nach Auslaufen der Stützungsmaßnahmen blieb aus. Vor allem durch die starke Exportorientierung des Sektors hielten sich die Absatzzahlen zu Beginn der Aufschwungstendenzen auf konstantem Niveau und entwickelten sich deutlich positiv durch die Nachfragedynamik in den globalen Schwellenländern. Für des Deutschen stets gut gehegte und polierte Lieblinge eröffneten sich ungeahnte Absatzmöglichkeiten, welche, unterstützt durch eine permanente Fokussierung in den Wirtschaftsmeldungen, den hiesigen Autobauern lukrative Expansionsphantasien und den investierten Aktienären deutliche Kurszuwächse bescherten. Absatzprognosen von bis zu 17 Mio. Neufahrzeugen allein in diesem Jahr, gepaart von deutlich zunehmenden Nachfragetendenzen in der nahen Zukunft, lassen den deutschen, mit knapp 3 Mio. möglichen Absatzeinheiten, ja sogar den gesamten europäischen Markt als relativ winzig erscheinen.
Und eben hier offenbaren sich die Stärken, erklärt sich die Dominanz und liegt der ausgeprägte Partizipationsanteil auf den zukunftsträchtigen Märkten begründet, denn trotz dort zu findender, einheimischer „Billig-Konkurrenz“, setzen sich die deutschen Automobilbauer durch und bauen ihre Marktpräsenz dynamisch aus. Untermauert wird dies am Beispiel des als revolutionär bezeichnete und marketingtechnisch global inszenierte Billig-Auto Nano aus dem Hause des indischen Großkonzerns TATA, welches als preisgünstigstes Automobil angeboten wurde, den indischen Subkontinent mobilisieren und hiervon ausgehend die gesamten Emerging Markets sinnbildlich auf die Straße bringen sollte. Doch nach nicht vorhandener Nachfrage und schleppenden Verkaufszahlen steht die Produktion jetzt vor dem Aus. Dem entgegen stehen unsere heimischen Automobilhersteller, welche prozentual zweistellig auf diesen Absatzmärkten wachsen und Milliardenbeträge in Produktionsstrukturen investieren. Grund hierfür ist, dass Daimler, BMW, Volkswagen & Co allesamt neben der Grundvoraussetzung mit starken Absatzkanälen und den funktionierenden Exportstrukturen, vor allem Qualität, Innovation und Luxus verkörpern.
Jedoch bleibt für mich als fundamental basierter Investor und nachhaltig agierender Vermögensverwalter jederzeit zu beachten, dass Kursphantasien und Absatzerwartungen teilweise bereits in den Kursen eingepreist sind. Dies hat der Markt zwischen den letztjährigen Weihnachtsfeiertagen und Neujahr gezeigt, als staatlich festgelegte Subventionskürzungen und Zulassungsbeschränkungen durch die chinesische Regierung, zu Kursrückgängen geführt hatten, da Planphantasien plötzlich an die neue Realität angepasst werden mussten in der Spitze ein.
Als Fazit bleibt für mich festzuhalten, dass deutsche Automobilwerte sich auf der Überholspur befinden, jedoch teils mit eingeschaltetem Warnblinklicht. Jeder Aktionär und Anleger sollte, um in der sinnbildlichen Betrachtung zu bleiben, dem jeweiligen Unternehmen „unter die Haube“ blicken, um eine fundamentale Analyse durchführen zu können, damit sowohl die Position und Margenstärke in den Kernländern als auch die visionäre Ausrichtung auf den Potenzialmärkte bewertet werden kann. Nicht zu vergessen ist hierbei die Beurteilung der zielgerichteten Investitionen und Innovationen, denn diese ermöglichen nachhaltiges Wachstum – für das Unternehmen selbst, die dazugehörige Aktie und für Sie als Anleger in Ihrem Depot.
Ihr Dr. Markus C. Zschaber
n-tv-Kolumne | 18. Februar 2011: Inflation in aller Munde – Aktien im Blick (mehr)
In Zeiten weit geöffneter Geldschleusen und fiskalpolitischer Stimulationen der Regierungen und Notenbanken rund um den Globus, rückt folgerrichtig zunehmend die Thematik der Inflation in den Fokus der Finanzwelt, in die Schlagzeilen der Wirtschaftsmedien und in die Gedankengänge der Sparer, Anleger und Investoren. Besonders hierzulande historisch begründet, nimmt die Beschreibung des volkswirtschaftlichen Preisanstiegs mitunter drastische Formulierungen an. Von „Inflationsgespenst“ bis „Inflationsmonster“, sachlicher ausgedrückt, von partiellem Kaufkraftverlust bis zu markant schleichender Geldentwertung reichen die Wortlaute.
Fakt ist, die übermäßig geschaffene Liquidität zur Stützung des globalen Wirtschafssystems in Krisenzeiten, feststellbar und ausgewiesen in verdoppelten, teils verdreifachten Bilanzvolumina der Notenbanken, muss ökonomisch nachhaltig wieder dem Wirtschaftskreislauf entzogen, sprich „weginflationiert“ werden. Zudem wurde in den Industrienationen dies- und jenseits des Atlantiks jahrelang Deflation importiert, größtenteils durch preisgünstig hergestellte, asiatische Güter aus den Bereichen der Textilwaren und der Unterhaltungselektronik. Auch hier erkennt man den, von mir bereits häufig beschriebene Paradigmenwechsel der volkswirtschaftlichen Ausrichtung der Schwellenländer. Zwar sind die Wirtschaftssysteme weiterhin produktionslastig und exportfokussiert, der stark zugenommene Verbrauch der Emerging Markets wirkt sich jedoch deutlich inflationär auf die Weltwirtschaft aus, nicht zuletzt erkennbar an den dynamisch steigenden Rohstoffpreisen, wodurch wir mittelfristig Inflation importieren. Die zuvor auf Seiten der Produktion übergewichtete Wirtschaftsausrichtung hat sich somit nachweislich in Richtung des preistreibenden Verbrauchs verlagert. Für mich als Ökonom steht fest, dass sich jeder, egal, ob Zinssparer oder Wertpapieranleger, an ein höheres Preisniveau gewöhnen muss, deutlich über der, als Preisstabilität geltenden Zieldefinition von zwei Prozent.
Um sich auf diese Thematik auszurichten, sein Kapital vor dem Kaufkraftverlust und den Zins vor Inflation zu schützen, aber auch die Chancen der Kapitalumsichtungen hin zu substanzstabilen Anlagen zu nutzen, bietet das Anlagevehikel in Form einer realen Beteiligung an einem Unternehmen, sprich das Aktieninvestment, bei Beachtung der Flexibilität und unter der Berücksichtigung der Opportunitätskosten das bestmögliche Anlagekonstrukt. Den Fokus gerichtet auf global operierende Unternehmen mit oligopolähnlicher Preissetzungsmacht, welche somit auch margentechnisch die Möglichkeit haben, die inflationistischen Tendenzen durch Preissteigerung an den Endkunden weitergeben zu können und zudem eine attraktive Dividendenrendite aufweisen, werden weiterhin die Qualitätsaktien darstellen, welche zunehmend durch Kapitalumsichtungen gesucht und somit hierdurch auf der Kursseite stimuliert werden. Zusätzlich fördern inflationistische Erwartungen innerhalb des Wirtschaftssystems auf Unternehmensseite ein Vorziehen von Investitionstätigkeiten und bezogen auf die Binnennachfrage den Konsum, da der, bei vorherrschender Inflation zu erwartende Investitions-/ und Kaufpreis auf längere Sicht ansteigt. Diese tragenden Säulen unterstützen zusätzlich die ökonomische Basis, fördern das nachhaltige Wirtschaftswachstum und untermauern schlussendlich die Kursentwicklungen des Aktieninvestments.
Für mich als Vermögensverwalter bleibt festzuhalten, dass wir ähnlich wie Ende der achtziger Jahre höhere Inflationsraten in Kombination mit moderatem Wirtschaftswachstum sehen sollten und es die Investition in das Segment der Aktien, fokussiert auf fundamentale Qualitätsunternehmen, zu favorisieren gilt, um dem häufig genannten „Inflationsgespenst“ größtenteils den Schrecken zu nehmen.
Empfehlungen für globale Aktienfonds:
WorldMarketFund: WKN A1CS5F
DWS Global Infrastruktur: WKN DWS0Q2
Ihr Dr. Markus C. Zschaber
n-tv-Kolumne | 23. Januar 2011: Deutschlands Wirtschaftsleistung (mehr)
Im Gegensatz zu den letztjährigen Vermeldungen hatte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle die nun deutlich angenehmere Aufgabe, den diesjährigen Bericht zur deutschen Wirtschaftslage zu präsentieren und geizte hierbei nicht mit metaphorischen Superlativen, welche die dynamische Erholung der heimischen Wirtschaft versinnbildlichen.
Als Musterknabe wird erwartungsgemäß der hiesige Aussenhandelssektor ausgewiesen, welcher mit deutschen Exportgütern, die weltweit aufgrund des innovativen Know-how nachgefragt werden und bekannt sind für beste Qualität „made in Germany“, klar die Zugmaschine hinaus aus dem zurückliegenden Konjunkturtief darstellt und die Basis des Aufschwungs schaffte. Die stark positive Tendenz innerhalb der Exportwirtschaft schürte über das Gesamtjahr hinweg den gesamtdeutschen Optimismus und stimulierte zudem die inländische Binnennachfrage, welche sich seither zunehmend als zweite tragfähige Säule des Wirtschaftswachstums etabliert. Wie bereits in einigen vorangegangenen Kolumnen beschrieben, ist dieser ökonomische Verlauf der konjunkturellen Krisenbewältigung ein absolutes Musterbeispiel wirtschaftlicher Stärke einhergehend mit fortschrittlicher Flexibilität des Arbeitsmarktes und zielgerichteter Effizienz.
Der Lagebericht zur deutschen Wirtschaftsentwicklung in 2010 belegt die deutlich positiven Kursentwicklungen der letzten Vorjahresmonaten, vor allem der, auf den Börsenplätzen gehandelten Anteilsscheine deutscher Unternehmen und spiegelt die im Trend anhaltend positiven Tendenzen zahlreicher Indikatoren wider. Mit einem ZEW-Index im erneutem Anstieg und einem Ifo-Geschäftsklima auf Höhenflug, gepaart mit einem durchaus erfreulichen Ausblick auf weiterhin ansteigende Exportzahlen, die mögliche Vollbeschäftigung nebst einer zunehmende Konsumnachfrage der Verbraucher, lässt der Jahresbericht eigentlich nur den Entschluss zu, wonach auch im neu begonnenen Handelsjahr den Aktionären unisono Kursanstiege und Traumrenditen winken. Bei Indexentwicklungen in der Breite zwischen 15 Prozent beim deutschen Leitindex und gut 30 Prozent bei dessen „kleineren“ Pendants innerhalb von wenigen Monaten, zudem ein von der OECD ausgewiesener, weltweiter Frühindikator auf neuem Rekordhoch, lässt sich jedoch im Markt bereits deutlich der Optimismus erahnen. Der bereits häufig beschriebene Rebound auf der Kursseite, um den vorgenannten positiven Rahmenbedingungen zu entsprechen, ist eingetreten.
Als aktiver Vermögensverwalter rücken für mich zunehmend die fundamentalen Daten einzelner Regionen, selektierter Branchen und schlussendlich definierter Unternehmen in den Fokus. Denn es ist nicht die Herausforderung, während, in der Breite steigenden Marktphasen, Renditen und Kursgewinne zu erzielen, sondern die wirkliche Aufgabe stellt das aktive Risikomanagement und die Selektion rentabler Zielinvestments in Zeiten parallel laufender und volatiler Märkte dar, um die Kapitalsubstanz zu erhalten, erzielte Gewinne abzusichern und zukünftige Potenziale zu finden.
Anleger, welche sich konform meiner Einschätzung bereits frühzeitig Anfang/Mitte des vergangenen Jahres zum Lager der Optimisten zählten, vielleicht auch weil man mein Buch gelesen hatte „Der Aufschwung kommt“, welches erschien als noch vom Aufschwung nichts in Sicht war, und sich mit einer erhöhten Aktiengewichtung positioniert haben, können demzufolge bereits Kursanstiege verzeichnen. Hier sollten für das kommende Jahr absichernde Stop-Loss-Strategien in Betracht gezogen werden, um das eigene Depot vor flankierenden Marktrisiken a la europäischer Schuldenkrise, wieder schwächelnder Erholungsdynamiken der Industrienationen oder bremsender Geldmengenpolitik der Emerging Markets zu schützen.
Alles in Allem möchte ich als Fazit festhalten, dass das gerade begonnene Börsenjahr fundamental zum jetzigen Betrachtungszeitpunkt eine äußert positive Basis aufweist und die Aktie als Anlageinstrument unter opportunistischer Betrachtung und mittelfristiger Inflationserwartung als nahezu alternativlos anzusehen ist. Jedoch muss der Fokus klar definiert, der Blick geschärft und die Analyse der Zielinvestments fortlaufend akribisch sein, um das durchaus mögliche Jahr der Aktie 2011 gewinnbringend zu begehen.
Ihr Dr. Markus C. Zschaber
n-tv-Kolumne | 11. November 2010: Das deutsche Jobwunder (mehr)
Meldungen vom erfolgreichen deutschen Krisenmanagement vernimmt man gerne in Zeiten anhaltender Unsicherheit, hin und her gerissen zwischen anhaltendem Pessimismus und aufkeimender Euphorie. Der deutsche Arbeitmarkt zeigt sich innerhalb der Krise als flexibles Konstrukt und profitiert nun, global beneidet als Erfolgsmodell, vom Aufschwung!
Speziell die deutsche Wirtschaft hat sich allen Bedenken, pessimistischen Vorhersagungen und Untergangsszenarien zum Trotz aus der Weltwirtschaftskrise gearbeitet. Nach anhaltend positiven Meldungen aus der Industrie, gefolgt vom Dienstleistungssektor, bestätigt nun auch der heimische Arbeitsmarkt seine, global gesehen, unvergleichbare Stärke. Eine Stärke, begründet in der Flexibilität, mitunter geschaffen durch politisch visionäre Reformen, unterstützt durch langfristig orientierte unternehmerische Arbeitgeber, aber auch basierend auf einer gewissen Leidensfähigkeit der Arbeitnehmer.
Diese von mir bereits in vorherigen Kolumnen angesprochene und hier sehr gerne nochmals bestätigte Bereitschaft, in Zeiten einer wirtschaftlichen Rezession Anpassungsfähigkeit zu zeigen, ist exemplarisch für den gesamten Arbeitsmarkt. Der Fließbandarbeiter, welcher bereitwillig in Kurzarbeit ging, die Angestellte, welche zuvor angesammelte Überstunden während der Auftragsflaute „abfeierte“, sucht seinesgleichen.
Deutsche Unternehmen haben im Umfeld einer stagnierender Handelswelt somit den fachlich gut ausgebildeten, erfahrenen und leistungsbereiten Personalbestand, sprich das „Know-how“, in der Krise behalten und Potenzial für wieder anziehende expansive Entwicklungen konserviert, welches der heimischen Wirtschaft nun die exzellente Ausgangssituation und den entscheidenden Vorsprung bereitet.
Schröder, Brüderle oder von der Leyen?
Die Aussagekraft dieser Entwicklung wird verdeutlicht durch die politischen Aktivitäten mit der Zielsetzung, diesen Erfolg auf die parteieigenen Handlungen zu vereinnahmen. Sowohl die derzeitige, ja sogar die vorherige politische Führung unseres Landes möchte einen solchen Verdienst für sich verbuchen. In Persona vermeldete zum Beispiel die amtierenden Arbeitsministerin die Arbeitsmarktzahlen, entgegen der traditionellen Veröffentlichungspraxis und bewusst vorzeitig, und auch der Altbundeskanzler versucht die Ergebnisse als politische Großtat seiner Regierungszeit zu proklamieren.
Betrachtet man die Arbeitsmarktsituation in der direkten europäischen Nachbarschaft, stößt man auf meist zweistellige Arbeitslosenquoten begleitet von bestenfalls nur moderaten Verbesserungstendenzen. In der südeuropäischen Peripherie schockieren mitunter deutlich zweistellige Quoten, verschärft durch eher zunehmende Erwerbslosigkeit aufgrund einer stagnierenden Wirtschaftsentwicklung.
Wagt man nun einen Blick – und diese analytische Betrachtung stellt eine Verpflichtung für einen aktiven Anleger oder Verwalter dar – auf die Berichterstattungen betreffend den US-amerikanischen Arbeitsmarkt, so zeigt sich auch hier eine trübe Bestandsaufnahme struktureller Probleme mit allenfalls schwach positiver Entwicklung in den vergangenen Wochen.
Zurück nach Deutschland
Schlussendlich bilanziert der aktuelle Lagebericht aus dem deutschen Arbeitsmarkt ein Unterschreiten der Drei-Millionen-Marke in Bezug auf die Arbeitslosenzahlen. Weitaus entscheidender für die wirtschaftliche Entwicklung ist meiner Meinung nach jedoch die historisch bisher nie erreichte Anzahl an Beschäftigten von nahezu 41 Millionen, denn dieser Anstieg an Arbeitnehmern bedeutet neben weniger Empfänger sozialer Unterstützungen, sprich zusätzlicher Einkommenssteuerzahler, ein Zuwachs an Produktivitätseinheiten für das deutsche Wirtschaftssystem und zusätzlich potenziellen Konsumenten zur Stärkung der inländischen Binnennachfrage.
Als Fazit möchte ich festhalten, dass sich das frühzyklische Wirtschaftsystem Deutschlands vom Exportsektor getragen aus der Krise befördert hat und nun unterstützt durch einen lebendigen Arbeitsmarkt, einhergehend mit zunehmender Aktivität der Konsumnachfrage, das Fundament der wirtschaftlichen Erholung verbreitert und die Dynamik des Aufschwungs verstärkt.
n-tv-Kolumne | 28. Oktober 2010: Deutsche Konjunkturindikatoren berichten (mehr)
Nachdem es der deutsche Leitindex Dax endlich geschafft hat, sich aus der monatelangen Handelsspanne zwischen 5.900 und 6.300 Punkten zu befreien und sich nicht nur behauptete, sondern, bewertet man die vergangene Handelswoche, teils deutlich ausbrechen konnte, weisen auch zwei der gewichtigsten Indikatoren der deutschen Börsenlandschaft eine deutlich positive Momentstimmung betreffend die aktuelle Lage aus. Der zu Beginn der vergangenen Woche veröffentlichte ZEW-Index des Mannheimer Wirtschaftsforschungszentrums reflektiert die Einschätzungen befragter Analysten und Finanzexperten und gibt somit Auskunft über die agierenden Marktteilnehmer. Nach Auswertung der aktuellen ZEW-Indexstände lässt sich festhalten, dass der prognostizierte Konsens deutlich übertroffen wurde. Das bedeutet, dass die Stimmung zur aktuellen Lage weiterhin sehr positiv eingeschätzt wird. Unisono vermeldet auch der Ifo-Geschäftsklimaindex, welcher die Einschätzungen der deutschen Unternehmerlandschaft widerspiegelt, eine verbesserte momentane Geschäftslage, übrigens in der Kontinuität zum achten Mal in Folge.
Die zweite Indexkomponente, die der zukünftigen Erwartungen und Einschätzungen, bietet den bedeutenden Informationswert in der Indexanalyse, zeigt diese Betrachtung doch zukünftige Tendenzen und hieraus abgeleitet mögliche Entwicklungen. Und hier gehen die ausgewiesenen Daten auseinander. Die vom ZEW befragten Finanzprofis orakeln eine sich verschlechternde wirtschaftliche Entwicklung mit abkühlenden Konjunkturtendenzen für die nächste Zeitperiode von sechs Monaten. Konträr zu dieser „Parkettmeinung“ weisen die Konjunkturforscher des Ifo-Instituts eine positive Überraschung aus. Die gewerbliche Wirtschaft sieht, basierend auf kräftigen Unternehmensgewinnen, zukünftig weiter positive Geschäftsmonate, bestätigt einen weiterhin ansteigenden Auslastungsgrad nahe dem langfristigen Durchschnitt und stellt zudem Neueinstellungen von Personal in Aussicht.
Somit signalisiert in erster Linie der Ifo-Geschäftsklimaindex bisher keine Abschwächung der konjunkturellen Erholungsdynamiken oder gar eine Trendwende, wie es im Vorfeld der Veröffentlichung von Experten erwartet wurde. Deutlich festzustellen ist die veränderte Basis in der Betrachtungsweise der aktuellen Momentsituation, vor allem auch der nahenden Geschäftsentwicklung seitens der befragten Unternehmen und Finanzexperten.
Innerhalb der Nachkrisenmonate regierte hartnäckig tiefenverankerter Pessimismus, zusammengefasst in der trüben Intension „Wie soll es mit der Weltwirtschaft weitergehen?“. Bereits innerhalb der letzten Berichterstattungen der Konjunkturindikatoren zeigt sich mittlerweile immer deutlicher ein Trendwechsel der Urteilungsbegründung zukünftiger Aussichtschancen. Nunmehr wird eine mögliche Erwartungsdynamik aufgrund des derzeit vorherrschenden Optimismus gedämpft, da eine anhaltende oder deutliche Verbesserung getreu der Fragestellung „Wie soll die aktuell positive Lage noch überboten werden?“ kaum möglich erscheint.
Als Vermögensverwalter bewerte ich die ausgewiesenen Datenreihen im Detail und ziehe als Fazit, dass die vorgenannten Indikatoren nicht die Grundlage für einen Anstieg, gleichbedeutend mit einer neuerlichen Kursrally darstellen, sondern unterstützend fungieren, sprich den deutlich sechs-prozentigen Anstieg der „Deutschland-Indizes“ von Dax, und dessen „kleineren“ Pendants MDax und SDax in den vergangenen Handelswochen festigen. Jedoch verwässert diese, mitunter oberflächige Indexbetrachtung das unverändert vorhandene Chancen- und Renditepotenzial einzelner Branchen und Aktientitel, deren Potenziale aufzuspüren, die definierte Aufgabe eines aktiven Anlegers und marktnahen Vermögensverwalter darstellt. Das Fundament ist also gefestigt, die weitere Kursentwicklung an den heimischen sowie den globalen Märkten wird nun bestimmt von der gegenwärtigen Berichtssaison, der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der boomenden EM-Volkswirtschaften und der Ausgestaltung und Umsetzung der expansiven US-amerikanischen Geldpolitik.
n-tv-Kolumne | 7. Oktober 2010: Unternehmen öffnen ihre Bilanzen (mehr)
Ende dieser Woche beginnen traditionell die US-amerikanischen Unternehmen, zuerst vertreten durch den Aluminiumhersteller Alcoa Inc., mit der Öffnung der Bilanzbücher und bieten damit einen Einblick in die Entwicklungen zum abgelaufenen dritten Quartal. Bereits diese erste Bilanzeinsicht des weltweit zweitgrößten Produzenten von Aluminiumprodukten wird für Impulse auf den Märkten sorgen, offenbart die Handelsbilanz dieses zyklischen Unternehmens doch die Entwicklung der globalen Rohstoffnachfrage und spiegelt hierdurch indirekt die Funktionalität und Stabilität des wirtschaftlichen Erholungszyklus wider.
Seit Wochen, inzwischen sogar Monaten, bewegt sich der deutsche Leitindex in einem Korridor zwischen 5.900 Punkten bis 6.300 Punkten, flankiert von positiven aber auch dämpfenden Nachrichten aus der Wirtschaft, dem globalen Welthandel, der rezessiven europäischen Südperipherie und erfreulichen Erwartungstendenzen. Schlussendlich hat keine der vorgenannten Ad-Hoc-News zu einer nachhaltig richtungsgebenden Tendenz geführt, jedoch bewerte ich die Markterwartung, in meiner Funktion des marktintensiven Vermögensverwalter, zu Beginn der jetzigen Quartalsberichterstattung als überwiegend pessimistisch mit zurückhaltender Grundtendenz. Dies auch begründet aufgrund der vorangegangenen, durchweg mit positiven Gewinnüberraschungen seitens der Unternehmen gespickten Berichtssaison des zweiten Quartals. Dies bedeutet, dass derzeit in den Kursen eher eine Enttäuschung über die kommenden Unternehmenszahlen eingepreist ist. In Anbetracht dessen bieten nun konstant verlaufende, evtl. sogar leicht positive Umsatz- oder Gewinnmeldungen aus den Bilanzbüchern erfreuliche Überraschungseffekte, einhergehend mit ansteigendem Kurspotenzial. Betrachtet man zudem die im langfristigen Vergleich unter dem Durchschnitt liegenden Fundamentaldaten u. a. des Kurs-Buchwertes oder zieht man die Analyse des aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis hinzu, weisen diese in eine Richtung – ein Niveau neuer, moderater Jahreshöchststände.
Natürlich wird die Berichtssaison anhaltende, stimmungsdämpfende Nachrichten beispielsweise aus der US-amerikanischen Wirtschaftsökonomie oder mögliche Hiobsbotschaften aus den europäischen Peripherieländern nicht überdecken können, aber meiner Meinung nach werden neue Antriebe geliefert, welche selektiv zu lukrativen Kursentwicklungen führen werden. Umso wichtiger wird hier neben der detaillierten Bewertung und Analyse der Unternehmen, auch der Blick in die „zweite Reihe“ deutscher Potenzialwerte.
Als Fazit bleibt für mich festzuhalten, dass der deutsche Aktienmarkt, genährt durch die neuen Einblicke, zwar nicht vor einer explosionsartigen Rallye steht, aber die Berichtssaison selektiv positive Impulse liefert, welche eine belebende Grundstimmung stimulieren, vorhandenen Pessimismus eindämmen und Anleger, bei qualitativ fundamentaler Positionierung, mit Kursanstiegen erfreuen werden.
n-tv-Kolumne | 29. September 2010: Deutsche Verbraucher wollen konsumieren (mehr)
Der Aufschwung hat die deutschen Unternehmen, die Industrie, die gesamte Wirtschaft trotz aller Unkenrufe namhafter Pessimisten, schon seit längerem erreicht. Belegt wird dies mit ansteigenden Unternehmensgewinnen und fortlaufend günstigen Lageberichten. An dieser positiven Grundstimmung der Wirtschaft und an den während der Krise gesundeten Bilanzen der Unternehmen haben die deutschen Arbeitnehmer einen großen Anteil. Der Fließbandarbeiter, der bereitwillig in Kurzarbeit ging, der Angestellte, welcher zuvor angesammelte Überstunden in Zeiten der Auftragsflaute „abfeierte“, der gesamte Arbeitsmarkt in seiner Flexibilität und Anpassungsfähigkeit haben zur Effizienz der Unternehmen und zur Bewältigung der Konjunkturkrise in der Rezession beigetragen – auf Kosten des Einkommens und letztendlich der Euros im Geldbeutel.
Die nunmehr verbesserte Konjunkturlage stützt die Zuversicht und die steigende Einkommenserwartung kurbelt die Bereitschaft an, neben dem notwendigen Sparen, auch zu konsumieren. Durch robuste Auftragseingänge und gut gefüllte Auftragsbücher konnte seitens der Industrie die Kurzarbeit vielerorts deutlich reduziert oder sogar vollständig aufgehoben werden, wodurch Arbeitnehmer wieder tariflich bezahlt werden und erste Einkommenszuwächse zu verzeichnen sind. In naher Zukunft anstehende Tarifverhandlungen könnten das verfügbare Einkommen erhöhen und die zunächst weiterhin niedrige Preisentwicklung wird die positive Konsumneigung unterstützen. Als marktintensiver Betrachter gilt es aber auch zu bewerten, welche begrenzenden Einflüsse Themen wie beispielsweise die Gesundheitsreform einhergehend mit höheren Beitragszahlungen auf das Konsumpotenzial haben. Die seitens der Gesellschaft für Konsumforschung ermittelten Daten signalisieren eine ausgabenfreudigere Tendenz, auf dem höchsten Niveau seit der Krise. Aber eben nur eine Stimmungsaufnahme, welche meiner Ansicht nach noch weit entfernt von einem selbsttragenden Nachfrageboom ist.
Die Binnennachfrage trägt 60 Prozent zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei und könnte, durch weiterhin zunehmende Verbraucheraktivitäten einen unterstützenden Beitrag zur Wirtschaftsdynamik leisten und, ergänzend zum robusten Exportsektor, das Fundament des Aufschwungs stärken. Ein gegenteiliges Bild liefert der Blick über den Atlantik auf das US-amerikanische Verbrauchervertrauen. Dort herrscht eine gedrückte Konsumstimmung, vor allem geprägt von anhaltenden Konjunktursorgen, einhergehend mit einer, auf historisch hohen Niveau bestenfalls stagnierender Arbeitslosenquote, wodurch sich die Verbraucher nur auf die notwendigsten Käufe beschränken und Anschaffungen in die Zukunft aufschieben.
Zusammenfassend bleibt zu erkennen, dass die Bereitschaft zum Kaufen gegeben ist, nun muss schlichtweg das Geld den Weg in die Brieftaschen der Verbraucher finden, um so den ökonomischen Kreislauf der Binnennachfrage verstärkt anzutreiben, worin der Konsum die Umsätze der Unternehmen auch auf dem heimischen Absatzmarkt steigert und somit wiederum die Grundlage für weitere Neueinstellungen einhergehend mit Lohn- und Gehaltszuwächsen bildet. Diese Aussicht rechtfertigt meine Positionierung in den Branchensektor der Konsumgüterindustrie nicht nur im Hinblick auf die potenziellen Chancen deutscher Unternehmen auf den Schwellenmärkten Asiens oder Lateinamerikas, sondern auch in Betrachtung der wieder anziehenden Konsumaktivitäten der heimischen Verbraucher.
n-tv-Kolumne | 23. September 2010: Unternehmen gehen auf Shopping-Tour (mehr)
Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre, einhergehend mit einem starken Nachfrageeinbruch vor allem auf den etablierten Absatzmärkten, haben Unternehmen weltweit ihre Gewinne nicht mehr durch wachsende Umsatzzahlen steigern sowie Ertragsmargen nicht mehr mithilfe durchsetzbarer Preiserhöhungen ausweiten können. Um weiterhin kostenoptimiert und somit letztendlich effizient wirtschaften zu können, wurde das Hauptaugenmerk auf das unternehmerische Innenverhältnis gelegt – sprich, es wurden Einsparpotenziale auf der Kostenseite identifiziert, analysiert und ökonomisch zielführend umgesetzt.
Vor allem flexibel agierende, gut organisierte, ökonomisch effiziente Unternehmen konnten sich in dieser wirtschaftlich schweren Marktphase durch diese Kosteneinsparungen „gesunden“ und sich für zukünftige Marktzyklen gewinnbringend positionieren.
Zum einen durch die, sich doch als relativ konstant gezeigte Investitionsnachfrage aus den deutlich krisenresistenteren Schwellenländern während der Rezession, sowie durch eine wieder anspringende Geschäftstätigkeit der Industrieländer innerhalb der Nachrezessionsmonate, haben Unternehmen kurzfristig verfügbare und vor allem verwendbare Cashpositionen deutlich aufbauen können. Einem Bericht der US-Zentralbank zufolge, verfügen derzeit amerikanische Unternehmen über einen historisch hohen Cash-Bestand. Für eben diese liquiden Mittel suchen nun Unternehmenslenker eine gewinnbringende Verwendung. Da vor allem die Konsumlaune der US-Amerikaner, aber auch der europäischen Verbraucher, weiterhin eher schwach ist und gleichzeitig genügend freie Produktionskapazitäten vorhanden sind, werden Erweiterungsinvestitionen derzeit zurückgestellt.
Vielmehr wird das freie Kapital in M&A-Aktivitäten, also für Beteiligungen und Übernahmen eingesetzt, um hierdurch Synergieeffekte in der Zusammenarbeit zu nutzen, vor allem aber, um sich auf dem Heimatmarkt etablierter zu positionieren, Zusatzmärkte auszubauen oder zukunftsweisend strategisch neue Absatzmärkte, gerade in den aufstrebenden Schwellenwirtschaften, zu erschließen.
Für mich als Vermögensverwalter bedeutet das zunehmende M&A-Volumen, bezogen auf den Aktiensektor, ein zunehmend belebtes Marktumfeld, in welches vermehrt Liquidität fließt und sich die Aktivitäten, auswirkend auf die Aktienwerte von potenziellen Übernahmekandidaten durch Kursphantasien und Übernahmegerüchten gestützt, deutlich ausweiten werden. Meine Einschätzung wird bekräftigt durch die bereits deutlich angestiegene M&A-Aktivität in allen Industriesektoren während des ersten Halbjahres 2010 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die größten US-Finanzhäuser, welche bei Übernahmeaktionen eine beratende und begleitende Funktion einnehmen, beziffern die von ihnen in diesem Jahr bereits umgesetzten Aktivitäten mit einem Volumen von mehr als 582 Mrd. US-Dollar.
Auch innerhalb unserer heimischen Wirtschaftsregion Deutschland lokalisiere ich, in meiner Tätigkeit als aktiver Investor, viele inländische Unternehmen, welche sich innerhalb der Krisenjahre, mitunter begünstigt durch flexible Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt, effizient und zukunftsgerichtet entwickelt haben und sich nun durch Übernahmen und Joint Venture-Beteiligungen auf zukunftsträchtigen Absatzmärkten positionieren. Neben den durch laufende Berichterstattungen bekannten Aktivitäten der Dax-Unternehmen aus dem Automobilsektor, welche durch Kooperationen mit vor Ort ansässigen Produktionsfirmen absatzstarke Märkte erschlossen haben, lohnt sich meiner Ansicht nach auch der Blick in die „zweite Reihe“ der deutschen Unternehmenslandschaft. Hier findet man beispielsweise die im MDax gelisteten Unternehmen Tognum, führender Anbieter von Antriebssystemen und Energieanlagen, oder Stada-Arzneimittel, welche sich durch zielgerichtete Zukäufe und Übernahmen aussichtsreich auf Trendmärkten wie Asien oder Lateinamerika positioniert haben. Auch Brenntag, global agierender Chemikalienhändler, hat sich bereits strategisch zukunftsorientiert im asiatischen Wirtschaftsraum aufgestellt und verfügt zudem derzeit noch über weitere Mittel von ungefähr 300 Mio. Euro zur weiteren Expansion. Passend zur beschriebenen Situation sieht sich zurzeit der größte deutsche Baukonzern Hochtief mit einer feindlichen Übernahmeofferte durch einen spanischen Branchenkonkurrenten konfrontiert – der Marktwert des Unternehmens, ausgedrückt im Aktienkurs, stieg im September um 13,5 Prozent.
Als Fazit möchte ich festhalten, dass eine ansteigende M&A-Dynamik den globalen Aktienmarkt durch zufließendes Kapital stimuliert und die Bereitschaft der Unternehmen zur Expansion eine positive Zukunftseinschätzung suggeriert. Gerade Unternehmen, welche ihr Kerngeschäft in den vergangenen Jahren in punkto Effizienz und Produktivität konzentriert haben, zudem in den vergangenen Quartalen hohe Cashflows generieren konnten, haben nun die Kapitalstärke, sich strategisch aussichtsreich und umsatzstärkend zu positionieren und somit Aktionäre und Investoren zu erfreuen.
n-tv-Kolumne | 15. September 2010: Banken brauchen Bares (mehr)
Die Verwerfungen der Wirtschafts- und Finanzkrise haben mir gezeigt, dass die Banken rund um den Globus mit ihrer massiven, fast ungedeckten Kreditvergabe und Geschäftstätigkeit einhergehend mit immer laxeren Bonitäts- und Risikokontrollen, auf keiner gefestigten Basis stehen. Eben dieses Fundament, genannt Eigen- oder Kernkapital, dient der laufenden Finanzierung und ermöglicht es, ausfallende Kreditengagements und schwankende Kapitalmärkte zu kompensieren – zeigte sich jedoch in den Zeiten der Finanzkrise als zu unterkapitalisiert. Zahlreiche namhafte Unternehmen des Sektors mussten mit Hilfe von staatlicher Seite unterstützt und mit milliardenschweren Garantien ausgestattet werden.
Knapp zwei Jahre nach dem exogenen Schock der Lehman-Pleite spekulierte nun der gesamte Banken- und Finanzsektor über die Intensität der Verschärfung und vor allem über die zeitliche Vorgabe der Umsetzung. Im Vorfeld wurde von Vertretern der Banken mehrfach betont und aus meiner ökonomischen Sicht bewusst taktisch dramatisiert, dass eine Regulierung durch schärfere Eigenkapitalquoten, nicht nur die Ertrags- und Margenseite der Banken, sondern vor allem die Unternehmen und schlussendlich der Wirtschaftsaufschwung durch die deutlich eingeschränkte Möglichkeit der Kreditvergabe, betroffen sein würde. Allein Statements der Sparkassenverbände zufolge bedeutet eine Kernkapitalerhöhung à la Basel III, eine Verknappung des Kreditangebots um mehr als 200 Mrd. Euro. Eine weitere Auswertung beziffert den zusätzlichen Kapitalbedarf der zehn größten deutschen Banken mit 105 Mrd. Euro.
Die nun seitens der Bankenaufseher und Notenbankchefs aus 27 Nationen ausgearbeiteten Basel III-Vorschriften, bewerte ich als Konsenslösung zwischen der Bankenlobby und den Regulatoren, bestehend aus der Umsetzung strengerer Kernkapitalquoten und einer ausgedehnten Umsetzungsfrist. Beginnend mit dem Jahr 2013 müssen künftig Banken ein Eigenkapitalverhältnis von 4,5 Prozent aufweisen und somit ihre Geschäfte stärker mit eigenem Kapital unterlegen. Schrittweise steigt diese geforderte Kernkapitalquote bis 2015 auf sechs Prozent, um einen breiteren Kapitalpuffer für evtl. auftretende Marktrisiken aufzubauen. Vor allem aber die, zur reglementierten Kapitalisierung der Banken gewährte Übergangszeit, ermöglicht es dem Finanzsektor das notwendige Kapital an den Finanzmärkten durch Kapitalerhöhungen aufzunehmen oder durch erwirtschaftete Gewinne und Überschüsse zumindest teilweise anzusammeln. Natürlich ist dies nur auf Kosten einer zukünftig geringeren oder gar ausbleibender Dividendenausschüttung möglich, wodurch für mich als aktiver Vermögensverwalter eine detaillierte Betrachtung unumgänglich wird, verfolgt meine Asset-Allokation doch aktiv die Dividendenrendite als Teil der Performance einer Investition und suggeriert doch eine Dividende den Unternehmenserfolg und stützt zudem den Aktienkurs.
Als erste Geschäftsbank verkündete die Deutsche Bank AG, noch vor der Veröffentlichung der Baseler Richtlinien eine Kapitalmaßnahme, begründet zudem mit der weiteren Finanzierung der Übernahme der Postbank. Das Timing dieser strategischen Maßnahme, den Kapitalmarkt in einer derartigen Größenordnung von nahezu zehn Mrd. Euro jetzt anzusprechen, ist meiner Ansicht nach weitsichtig gewählt.
Ich gehe davon aus, dass weitere Banken dieser Handlung folgen und, betrachtet man den Aktienkurs, deutlicher abgestraft werden. Als Fazit möchte ich festhalten, dass durch die zukünftigen Vorschriften die Kapitaldecke der Banken gestärkt und eine ausreichende Umsetzungsfrist definiert wurde. Inwieweit diese Regularien eine Bank vor einer Notlage oder das gesamte vernetzte Finanzsystem vor einem Ausfall schützen kann, darf weiterhin kritisch betrachtet werden. Die Gefahr, das der Kredit- und Finanzierungsmarkt für Unternehmen und Privatkunden austrocknet, besteht meiner Ansicht nach nicht, da die Gewinnmarge für die Banken in Bezug auf die Kreditvergabe weiterhin genügend Attraktivität ausweist, um der Kreditnachfrage auch zukünftig Investition, Expansion und Konsum zu ermöglichen.
n-tv-Kolumne | 10. Mai 2010: Griechenland – Chance oder Fluch (mehr)
In den letzten Wochen rückte das sogenannte Staatenrisiko in den Fokus der Finanzmärkte, welches seinen Auslöser sowohl durch die horrende Verschuldungssituation, als auch durch die enorme Neuverschuldung der Griechen fand. In den 70er-, 80er- und 90er-Jahren hatte Griechenland die monetären Möglichkeiten, die chronische Ineffizienz und die nicht vorhandene Wettbewerbsfähigkeit des inländischen Wachstumsmodells gegenüber den industrialisierten Nachbarstaaten durch die regelmäßige Abwertung der eigenen Währung zu vertuschen. Für einen seriösen Beitritt in die Währungsunion wurde seitens der großen Staaten, vor allem durch Deutschland, verlangt, dass die finanzielle Situation des griechischen Haushalts gestärkt wird und ineffiziente Strukturen abgebaut werden.
Als die Griechen nachweislich ihre Statistiken geschönt haben und Staaten wie Deutschland oder Frankreich nicht in Erwägung zogen, dass diese Bilanzen nicht ansatzweise der Realität entsprachen, wurde Griechenland in die Währungsunion aufgenommen. Durch den Euro konnten viele Nationen, deren Wachstumsmodell nicht wirklich funktionsträchtig war und ist, profitieren. Fakt ist, dass der Euro im Kern eine deutschgeprägte Währung ist. Dieser monetäre Verzerrungseffekt, dass Volkswirtschaften dadurch automatisch eine stabile Währung erhielten, lag auch an der EZB, welche auch auf institutioneller Ebene immer wieder ähnliche, deutschgeprägte Präferenzen hinsichtlich einer stabilen Währung äußerte.
In der Konsequenz resultierte daraus, dass Griechenland, Spanien, Portugal und Italien eine monetäre Seriosität zugestanden wurde, die sie zuvor nie hätten erreichen können. Die Nachteile dieser neu gewonnen Seriosität waren, dass Staaten wie z. B. Griechenland nicht mehr die Möglichkeit hatten, durch die Abwertung ihrer Währung die Missstände der Wirtschaft zu vertuschen. Das Einsetzen der Weltwirtschaftskrise und das hierdurch weg brechende Konsumwachstum sorgten dafür, dass die Schuldenquoten, welche durch unwirtschaftlichen Überkonsum erzeugt wurden, jetzt eine negative Hebelwirkung verursachten.
Bedenkt man, dass ursprünglich das Rettungspaket für Griechenland mit 12 Mrd. Dollar angedacht wurde, anschließend auf 30 Mrd. Dollar erhöht wurde und heute mindestens 133 Mrd. Dollar benötigt werden, um Griechenland zu stabilisieren, gleicht das politische Verhalten einer Farce. Die griechischen Staatsanleihen büßten alleine im Monat April auf Kursebene über 22 Prozent ein. Die Tatsache, dass innerhalb diverser institutioneller und privater Portfolios Griechenlandanleihen integriert waren und sind, gilt aus unserer allokativen Perspektive als sehr verwunderlich. Aufgrund der hohen Neuverschuldungsquote von 14 Prozent des griechischen Bruttoinlandproduktes, basierend auf einem sich ökonomisch nicht nachhaltig tragenden Wachstumsmodell, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft ein nicht zu verachtendes Risiko.
Griechenland hat zur Zeit 33 Staatsanleihen im Wert von 140 Mrd. Euro ausgegeben, die mit einer Restlaufzeit bis zum Jahr 2015 ausgestattet sind und an den Märkten gehandelt werden. Hinzu kommen Zinskosten in Höhe von ca. 90 Mrd. Euro, so dass in den kommenden 4,5 Jahren summa summarum ca. 230 Mrd. Euro als Forderungen gegenüber Griechenland vorhanden sind. Im Zuge des ausgehandelten Sparkurses wird Athen bis 2013 im Haushalt die für griechische Verhältnisse erhebliche Summe von 30 Mrd. Euro einsparen müssen. Dadurch könnte sich nach unseren Bewertungen das Haushaltsdefizit bis 2014 von derzeit 13,6 auf 3,3 Prozent reduzieren. Zuletzt lag die Gesamtverschuldung des griechischen Staats bei 300 Mrd. Euro.
Laut Angaben verschiedener griechischer Politiker wird zusätzlich zum zweiten Mal seit Jahresbeginn die Mehrwertsteuer um zwei Prozent erhöht, diesmal von 21 auf 23 Prozent, was wir auch als absolut notwendig erachten, sollten die Pläne wirklich nachhaltig erfolgreich umgesetzt werden können. Außerdem wurde seitens des Büros des Finanzministers veröffentlicht, dass Staatsbedienstete acht Prozent weniger Lohn erhalten sollen. Die harten Restrukturierungsprogramme werden das zukünftige Wirtschaftswachstum mit ca. 20 Prozent belasten, so dass ein erfolgreiches Gelingen noch nicht wirklich absehbar ist, selbst wenn sich die stark wehrende griechische Bevölkerung schlussendlich doch noch dazu bereit erklärt, ihren Beitrag auf den verschiedenen Ebenen zu leisten.
Es werden also weitere Milliarden benötigt werden, um Griechenland nachhaltig zu stabilisieren. Die größte Herausforderung wird es aber sein, in Griechenland ein funktionsfähiges Wachstumsmodell zu erzeugen. Sollte dies nicht gelingen, wird ein Austritt aus der Währungsunion wohl alternativlos!
n-tv-Kolumne | 30. März 2010: Der amerikanische Traum zerplatzt (mehr)
Vor nicht einmal drei Jahren galt das Eigenheim in den USA als Statussymbol und verifizierte nichts anderes als den „American Dream“. Während meiner jüngsten Investorenreise durch die USA versuchte ich mir, wie auch bei den letzten Malen, erneut einen intensiven Überblick über den Ausgangspunkt der Weltwirtschaftskrise – den US–Immobilienmarkt – zu verschaffen.
Die Hauptproblematik, die ich feststellte, war, dass mittlerweile fast niemand mehr von Subprime-Hypotheken in den USA spricht, sondern sich die Krise am Immobilienmarkt vermehrt in der wichtigen Mittelschicht ausweitet. Die wachsende Arbeitslosigkeit gekoppelt mit den nach wie vor schrumpfenden Verkehrswerten der Immobilien in unzähligen Ballungsgebieten der USA haben dafür gesorgt, dass ich noch nie so viele leerstehende Häuser mit den bekannten Schildern mit den Slogan „For Sale“, gesehen habe, wie während meines jüngsten Aufenthalts. Laut des US-amerikanischen Statistikamtes wurden alleine im letzten Jahr 2009 über 3,2 Mio. Zwangsversteigerungen umgesetzt, was eine absolute Rekordmarke darstellt. Wenn ich mir in meinen Detailanalysen die Prognosen für das aktuelle Jahr vor Augen halte, soll diese Marke sogar noch übertroffen werden.
Nicht wenige Analysten erwarten sogar, dass im Jahr 2010 4,5 Mio. Zwangsversteigerungen umgesetzt werden müssen. Diese Entwicklung wird auch durch die jüngste Statistik, laut der zum Ende des letzten Jahres mehr als sieben Prozent aller Immobilieneigentümer in den USA über 60 Tage in Zahlungsrückstand liegen, untermauert. Ich habe vor Ort mit vielen Ökonomen und auch Unternehmern gesprochen und fast überall bekam ich die gleichen warnenden Worte zu hören: „Die Mittelschicht schrumpft“. Nach meinen persönlichen Eindrücken kann ich diesen negativen Trend nur bestätigen. Als Ökonom erachte ich diese Entwicklung als sehr kritisch, denn die Bereinigung am US-Immobilienmarkt, welche aufgrund der starken Übertreibungskräfte aus der Vergangenheit sicherlich notwendig war, entwickelt sich zu einem sozialpolitischen Problem. Das Überangebot an leer stehenden Häusern wird dafür Sorge tragen, dass sich der Bausektor nur sehr schleppend erholen wird, was wiederum bedeutet, dass sich die hieraus eigentlich entstehenden realwirtschaftlichen Potenziale nicht entfalten werden. Der nach wie vor bestehende Druck durch den sich ausweitenden Arbeitsmarkt wird die Gesamtsituation nicht gerade verbessern.
Fakt ist, dass auch die Hilfsprogramme des US–Präsidenten, wenn überhaupt, nur sehr zögerlich Wirkung zeigen. Das 75 Mrd. US–Dollar Programm, das geschaffen wurde, um die Bevölkerungsschicht zu entlasten, welche die bestehenden Kreditraten nicht mehr tilgen kann, liefert bis dato nur eingeschränkt positive Signale. Nach den jüngsten Angaben des US–Finanzministeriums wurden gerade einmal etwas mehr als 100.000 Hypotheken umgewandelt. Die Frage, die es diesbezüglich zu stellen gilt, ist, warum wird die eigentlich vorhandene hohe Nachfrage nach Kreditumwandlungen nicht gedeckt. Nach meiner Auffassung rückt die Betrachtung der Wirtschaftlichkeit immer stärker in den Fokus der abwickelnden Geschäftsbanken. In den USA sind die Finanzierungsmodelle anders als in Deutschland viel variabler in Bezug auf die Zinskosten. Das bedeutet, dass viele Banken einfach Abstand von einer Umwandlung nehmen, da sie wissen, dass die Tiefstände der Zinsen zwar bei einer Umwandlung kurzfristig für Entlastung sorgen werden, mittelfristig aber, bei ansteigenden Zinsen, das Grundproblem nur herausgezögert wird. Für mich steht fest, dass diese staatlichen Subventionen aufgrund der Komplexität der Krise nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein werden. Gegen das „Symptom“ der Krise kann zwar dadurch im Ansatz vorgegangen werden, die „Krankheit“ wird durch diese Maßnahmen aber nicht besiegt werden können. Daran werden auch die jüngst durch den US–Präsidenten angekündigten Erhöhungen dieser Subventionsprogramme nichts ändern. Der wichtigste Aspekt, der eine Verbesserung mit sich bringen wird, ist ein sich einengender Arbeitsmarkt. Aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Verfassung der USA wird dies aber voraussichtlich erst im kommenden Jahr passieren, so dass ich dem US–Immobilienmarkt weiterhin sehr kritisch gegenüberstehe.
n-tv-Kolumne | 10. März 2010: Der Aufschwung kommt (mehr)
In meinem Investmentprozess haben sich die Stabilisatoren für die jüngste Weltwirtschaftskrise im Vergleich zu der Vielzahl an vergangenen Krisen dahin verschoben, dass es nicht mehr die Industrienationen sind, die als solche definiert werden, die eine hohe Produktivität vorweisen können, sondern die Nationen, die über eine geringe Verschuldung und eine ökonomische Wachstumsstruktur verfügen.
Zum ersten Mal in der Geschichte des marktwirtschaftlichen Geflechts stellen diese Nationen die Emerging Markets dar, was bedeutet, dass man durchaus von einem gewissen Paradigmenwechsel sprechen könnte, vielleicht sogar sprechen muss. Wenn ich in meiner Funktion als Vermögensverwalter das Marktgeschehen auf ökonomischen Sachverstand prüfe, bleibt festzuhalten, dass die Wachstumsprämien, welche an den Märkten für diese besagten Emerging Markets zu erzielen waren und zu erzielen sind, auch als gerechtfertigt einzustufen sind, denn die wirtschaftliche, finanzielle und potenzielle Gesamtstruktur dieser Volkswirtschaften gilt als gesund.
„Der Aufschwung kommt“ ist der Titel meines neuen Buches und dieser beschreibt in der Konsistenz genau diese Perspektive der Emerging Markets, dass sie im Hinblick auf die Verwerfungen, welche die Weltwirtschaftskrise hervorgerufen hat, die Gewinner im internationalen Vergleich sind. Auf der anderen Seite beschreibt es aber auch, dass der Wohlstandsanspruch auf zukünftiges Wachstum und Produktivität in einigen Teilen der Industrienationen nicht der Realität entspricht. Wenn ich mir das ökonomische Gesamtgerüst der USA vor Augen halte, kann mittlerweile von einer echten Bescheidenheit der Marktteilnehmer gesprochen werden. Fakt ist, dass die USA seit Beginn der Krise ein Staatsdefizit von über 2.500 Mrd. US-Dollar neu generiert hat, um die Güter- und Liquiditätströme überhaupt zu stabilisieren, somit auf niedrigem Niveau. Fakt ist, dass die USA bei einem Leitzins von 0 bis 0,25 Prozent de facto ein negatives Realzinsniveau seit nun mehr als 12 Monaten akzeptieren muss, um die Konjunktur zu stützen. In der gesamten USA wurden seit Beginn der Krise 8,5 Mio. Stellen abgebaut (ohne Agrarsektor), so dass in naher Zukunft auch mit keiner erhöhten Lohndynamik zu rechnen ist, die wiederum zu einem höheren privaten Verbrauch führen könnte. Den positiven Impuls, den derzeit viele andere Marktteilnehmer für die USA erkennen, dass sich die Bruttoanlageinvestitionen der US-Unternehmen gesteigert haben, um für eine positive Dynamik des US-Markts zu sprechen, teile ich nicht. Denn betrachtet man diese Investitionen im Detail, kann zum einen festgehalten werden, dass sich der fiskalpolitische Impuls bei der Staatsverschuldung sukzessive reduzieren wird, auf der anderen Seite der Lagerzyklus diese besagten Investitionen verzehrt.
Der wichtigste Aspekt, den ich aber in Bezug auf die Investitionen erkenne, ist, bei einer Bereinigung um den Lagerzyklus, dass es sich bei den restlichen Investitionen nicht um Erweiterungsinvestitionen handelt, sondern um sogenannte Rationalisierungsinvestitionen. Das Fundament neuer struktureller Investitionsbereitschaft bei den Unternehmen gilt nach meiner Ansicht als nach wie vor dünn, was auch durch die geringfügigeren Produktionsmenge der US-Volkswirtschaft, die niedrige Kapazitätsauslastung und die bereits tendenziell hoch verschuldeten US-Firmen untermauert wird. Daraus resultiert nach meinem ökonomischen Weltbild, dass sich die gesamtwirtschaftlichen Abhängigkeiten des globalen System sukzessive und in zunehmender Dynamik von den USA hin zu den strukturell gesunden Volkswirtschaften hinbewegen werden und eine Umverteilung der Liquiditätsströme, durchaus in naher Zukunft, noch stärker stattfinden wird. Der Aufschwung kommt – in Kombination mit einem sich intensivierenden Paradigmenwechsel, einer zunehmenden Anpassung bzw. Umverteilung der Liquidität und einer neuen Wachstumsquelle.
Bereits heute tragen die Emerging Markets einen mehr als fünzigprozentigen Beitrag zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt und durch die Krise sind diese nicht gerade schwächer geworden. Im Gegenteil, häufig nutzen diese Nationen und ihre Unternehmen die aktuelle Situation aus, um sich Technologie – Know-how direkt im Westen einzukaufen, wie das Beispiel Volvo zeigt. Interessant ist, dass in diesen Volkswirtschaften die eigenen Absatzmärkte mittlerweile ein solches Potenzial mitbringen, dass die Interessenslagen der großen Schlüsselindustrien sich dahingehen verschoben haben, dass die westlichen Unternehmen diese für sich zunehmend stärker nutzen wollen und auch bereit sind, um Marktanteile im Westen dafür aufzugeben. Die Marktteilnehmer honorieren dies bis dato zufriedenstellend. Die Frage ist nur: Wie lange wird ihre Bescheidenheit andauern, vor allem wenn der Wettbewerb in Fernost nicht gerade dazu beitragen wird, dass die heimischen historischen Gewinnwachstumsraten zukünftig eher nach unten angepasst werden müssen.
n-tv-Kolumne | 1. März 2010: Die Lüge und der gesellschaftliche Schaden (mehr)
Weltweit wurden in den Jahren 2008, 2009 und auch bereits 2010 hunderte, wenn nicht sogar tausende an Milliarden US–Dollar durch Staaten und Notenbanken in die Hand genommen, um die Bankenlandschaft vor einem Kollaps zu bewahren. Die Begründungen und Argumentationen für diese Rettungsmaßnahmen waren eigentlich von allen Politikern und Notenbankern rund um den Globus die gleichen: „Im Interesse der gesamten Gesellschaft müssen die Banken mit diesen Summen gerettet und finanziell gestützt werden, sonst würde die Wirtschaft in eine schwere Depression stürzen und die Finanzmärkte im Chaos enden.“
„Die großen Investmentbanken müssen gerettet werden, um die Transfer, - Investitions-, Finanzierungs-, bzw. Kreditgeschäfte aufrecht zu erhalten“. Als Vermögensverwalter und Ökonom habe ich diesbezüglich zwei unterschiedliche Auffassungen: Als Vermögensverwalter, der sich tagtäglich in den Finanzmärkten aufhält und das anvertraute Kapital dort investiert und strukturiert, bin ich der Überzeugung, dass es nur durch eine gigantische Ausweitung der staatlich instrumentalisierten Geldmenge möglich war, dem Stress innerhalb des gesamten Finanzmarktes beizukommen und diesen auf ein erträgliches Niveau zu reduzieren. Wären die Notenbanken nicht eingeschritten, hätten die weltweiten Vermögensverluste wohl nicht bei 52 Tausendmilliarden US-Dollar gelegen, sondern bei einem Vielfachen davon. Als Ökonom allerdings erachte ich den Entschluss der weltweiten Notenbanken, aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive, ein solch hohes Maß an Interventionen als gefährlich und ökonomisch nicht nachhaltig effizient. Genau hier gilt es auch die Aussagen bzw. die Argumente der Politik zu hinterfragen: Zum einen hat sich jetzt gezeigt, dass der Vorwand, dass die Banken unbedingt gerettet werden müssen, um den Kreditzyklus für die Privatpersonen bzw. die Unternehmen am Leben zu erhalten, der Unwahrheit entspricht. In den USA sowie in vielen Regionen Europas ist die Kreditvergabe seit den Liquiditätsspritzen deutlich rückläufig, da die Banken nicht im gemeinnützigen Interesse der Wirtschaft agieren, sondern ausschließlich im Interesse des „share-holder-value“.
Sie sind also lediglich an der eigenen Rentabilität bzw. an der eigenen Gewinnsituation interessiert. Ein weiteres Argument der Politik, das für eine Bankenrettung gegenüber der Öffentlichkeit ausgesprochen wurde, war, dass die Anlegerkonten stark bedroht gewesen wären, wenn eine Rettung nicht erfolgt wäre. Was die Bedrohung der Konten betrifft, kann ich zwar partiell zustimmen, der eigentlich deutlich entscheidendere Hintergrund wurde aber kleinlaut verschwiegen. Denn in erster Linie hätten die großen finanziellen Institutionen, deren Lobby als die Mächtigste der Welt gilt, darunter gelitten, dass die von Ihnen im Portefeuille gehaltenen Bankanleihen und Bankaktien noch stärker unter Druck gekommen, wenn nicht sogar wertlos geworden wären. Hätten die Staaten statt einer grundsätzlichen für alle Bankhäuser geltenden Bankengarantie nur eine Garantie für die Banken, die in der Vergangenheit ein gesundes und finanziell starkes Geschäftsmodell verfolgt haben, ausgesprochen, wäre zwar der Stress in den Finanzmärkten erstmal nicht begrenzt worden, aber nachhaltig hätte eine Bereinigung im Bankensektor stattgefunden.
Größe spricht gegen Rettung
Als Ökonom gilt es den Gesamteffekt und die daraus entstandenen und noch entstehenden Kosten, welche zukünftige Wohlstandsverluste für die gesamte Gesellschaft bedeuten werden, mit dem besagten abgemilderten Rettungsszenario im Vergleich zu bewerten. Aus dieser Sichtweise gilt es als empirisch erwiesen, dass ein Unternehmen bzw. eine Schlüsselindustrie immer nur auf Kosten eines anderen Wirtschaftsteils bzw. Gesellschaftszweigs künstlich gestützt werden kann. Aus makroökonomischer Sichtweise gilt: Je größer ein Unternehmen ist, desto weniger sollte man befürworten, dieses Unternehmen zu retten. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass bei einer Insolvenz das Unternehmen ja nicht von heute auf morgen einfach verschwindet, sondern es werden die effizienten und rentablen Unternehmensteile verkauft und die vorhandenen Ressourcen auf den Käufer übertragen.
Betrachtet man die gesamte Bankenlandschaft, kann festgehalten werden, dass das eigentliche Geschäftsmodell der großen Privatbanken durchaus sehr profitabel ist und als gesund eingestuft werden kann. Nur der Eigenhandel und die Neustrukturierung von immer neuen Produktalternativen führte im Zuge der Krise dazu, dass immer mehr Eigenkapital von Nöten war, welches die entstandenen Vermögensverluste kompensierte. Schlussendlich hätten abgemilderte Rettungsmaßnahmen dazu geführt, dass zwar einige Banken vom Markt verschwunden wären, auf der anderen Seite aber die gesunden Bereiche von anderen Marktteilnehmern aufgekauft geworden wären.
Das entspricht dem marktwirtschaftlichen Mechanismus und hätte womöglich kurzfristig den Stress an den Finanzmärkten erhöht, mittelfristig aber die ökonomischen und finanziellen Kosten für die Gesellschaft begrenzt. Es steht heute bereits fest, dass das Vermächtnis der jetzigen Generation an die vielen noch zukünftig entstehenden Generationen vor allem eins sein wird – Schulden.
n-tv-Kolumne | 22. Februar 2010: Die Korrelation der Märkte (mehr)
Betrachtet man die letzten fünf bis zehn Jahren an den internationalen Finanzmärkten, so kann festgestellt werden, dass das globalisierte Wachstum der internationalen Volkswirtschaften insgesamt seinen Beitrag dafür geleistet hat, die großen Investorengruppen davon zu überzeugen, dass ihre Investitionen nachhaltig rentabel sein werden und eine attraktive Risikoprämie mit hoher Wahrscheinlichkeit einzustreichen ist.
Das bedeutet, dass der ausschlaggebende Multiplikator, welcher die Finanzmärkte vor der Weltwirtschaftskrise in diese überproportionalen Kurshöhen getrieben hat, die Liquidität war. Die Liquidität, die in dieser Zeit bereitgestellt wurde, wuchs expotenziell an, was soviel bedeutet wie, dass das investierte Volumen sich von Jahr zu Jahr steigerte. Aber: Wie konnte dieses Liquiditätswachstum entstehen?
Die Antwort ist relativ leicht zu finden: Als das Eigenkapital aufgebraucht wurde, wurden Fremdmittel, also Kredite, in allen nur erdenklichen Formen genutzt, um noch mehr Liquidität zu erzeugen. Die Problematik war allerdings, dass viele Märkte, wie beispielsweise der US-Immobilienmarkt, nicht nachhaltig in der Verfassung waren, diese Liquidität ökonomisch zu verarbeiten, weil diese in ihrer gesamten Struktur einfach als zu klein einzustufen sind. Resultierend daraus stiegen die Preise so stark an, dass diese größtenteils nichts mehr mit einer realistischen und fundamentalen Bewertung zu tun hatten.
Liquidität verändert den Charakter
Fakt ist, dass soviel Liquidität entstand, welche dann in den Finanzmarkt investiert wurde, dass sich der Charakter des gesamten Marktes wandelte. Wenn man einmal überlegt, dass Investmentbanken wie beispielsweise Goldman Sachs, die eine Bilanzsumme von über 884 Mrd. US-Dollar haben und eigentlich nur als ein großer „Hedgefonds“ an den Märkten agieren und ihre eigene Liquidität verwalten und investieren, dann gilt das meiner Ansicht nach als Symbolik dafür, wie viel Liquidität in den letzten Jahren entstanden ist.
Genau diese Liquidität hat dafür gesorgt, dass die meisten Anlageklassen, bis auf wenige Ausnahmen, einem neuen Muster unterliegen. Betrachtet man den Kursverlauf von Aktien auf der ganzen Welt, die gehandelten Rohstoffpreise oder die Devisenkurse, wird eines ganz deutlich – alle haben einen sehr identischen zyklisierten Verlauf. Diese „Primär-Korrelation“, wie ich diesen linearen Zusammenhang der großen Anlageklassen beschreibe, besteht, wie angesprochen, seit einigen Jahren und eigentlich wird diese Entwicklung durch die Marktteilnehmer akzeptiert.
Jetzt werden Investoren vielleicht sagen, dass das Grundprinzip des Marktes sich dadurch sehr vereinfacht hat, denn es muss sich jetzt nur noch die Frage gestellt werden, wann ich in den Finanzmarkt investiere und wann ich Cash halte. Dieses Prinzip widerspricht allerdings allen meinen marktwirtschaftlichen Kenntnissen, welche ich mir in den vergangenen 25 Jahren als Vermögensverwalter und Ökonom angeeignet habe. Wenn ich die angesprochene Verhaltensweise der Marktteilnehmer versuche zu rationalisieren, komme ich immer wieder zu dem Ergebnis, dass dieses Kauf- und Verkaufverhalten wohl rein aus der Emotion her kommt.
Ableitend aus den aufgeführten Aspekten bedeutet dies, dass zum einen die Liquidität nun einmal da ist und diesbezüglich gehandelt werden muss, zum anderen aber, dass die Impulsgebung für das Handeln auf einen Nenner heruntergebrochen nur die Inflation oder die Deflation zu sein scheint. Hieraus resultiert, dass wenn die Märkte Inflation befürchten, dann die Liquidität in Aktien, Rohstoffe, Währungen oder Gold investiert wird. Wenn jedoch Deflation erwartet wird, dann werden vermehrt Festgeld und Staatsanleihen gesucht.
Dies erklärt nach meiner Ansicht die hohe Korrelation innerhalb der risikoorientierten Märkte und innerhalb der risikoscheuen Märkte. Aufgrund der Schwere der vorhergegangenen Krise wird die vorhandene Liquidität derzeit in extremem Maß nur zwischen den besagten Segmenten hin und her geschoben. Bewerte ich aber die ökonomische Struktur der zurückliegenden Krise, so sollte die natürliche Reaktion auf den vorhergegangen inflationistischen Boom an den Finanzmärkten eine deflationäre Krise sein. Dies wurde aber durch die Reaktionen der Regierungen und Notenbanken weltweit insofern verhindert, indem diese einfach Tausende an Milliarden US-Dollar den Märkten bereitstellten, so dass ein normales Funktionieren des Marktes nicht möglich war. Dieser Eingriff sorgte maßgeblich dafür, dass sich die Finanzmärkte in diesem gleichlaufenden Muster befanden. Hätten die besagten Notenbanken und Staaten nicht in diesen Dimensionen eingegriffen, wären die Märkte an ihre Belastungsgrenzen gestoßen und die globale Wertschöpfung hätte sich noch tiefer und scherzhafter reduziert.
Insgesamt gilt somit dieses Verhalten als nachvollziehbar. Fakt ist allerdings, dass sie die Liquiditätsschleusen soweit öffnen mussten, wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Das bedeutet, dass die bereits vorhandene Liquidität nochmals signifikant gesteigert wurde und diese Liquidität ebenfalls investiert werden muss. Aufgrund dieses gigantischen Liquiditätsvolumens wird sich das korrelative Marktverhalten in den risikoreicheren bzw. in den risikoärmeren Anlagesegmenten wohl sehr wahrscheinlich noch verstärken. Die marktrelevanten Trendrichtungen – Inflation oder Deflation – werden nach meinen Erkenntnissen die entscheidenden Einflussgrößen sein, die es detailgenau zu bewerten gilt.
n-tv-Kolumne | 8. Februar 2010: USA: Unwirkliches Wachstum (mehr)
Die schwerste ökonomische Krise seit dem zweiten Weltkrieg geht in eine Stabilisierungsphase über, was auf verschiedenste Impulsgebungen zurückzuführen ist. Hauptverantwortlich dafür, dass die Märkte wieder Auftrieb erhielten, waren vor allem die geldpolitischen, fiskalpolitischen und wirtschaftspolitischen Anreize bzw. Maßnahmen, die weltweit entworfen und umgesetzt wurden. Dadurch konnten weitere exogene Schocks, wie die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, verhindert werden.
Mir bleibt als Ökonom und Vermögensverwalter auf den ersten Blick nur festzuhalten, dass diese besagten Maßnahmen richtig waren und sich stabilisierend auf das Marktgeschehen auswirkten. Die Kosten für diese Stabilisierungsmaßnahmen, ob Konjunkturpakete, Steuergutschriften, Bankenrettungspakete respektive Liquiditätsspritzen oder Infrastrukturprojekte sind so immens hoch, dass der nominale Wert fast nicht mehr greifbar ist und eigentlich unvorstellbar wirkt.
Die vielen tausend Milliarden US-Dollar, die benötigt wurden, um das System vor einem Infarkt zu schützen und vor einem eventuellen weiteren Kollaps zu bewahren, stellen eine schier unvorstellbare Summe dar. Wenn die Stabilisatoren greifen und der ökonomische Mechanismus wieder nachhaltig funktioniert, stellt sich die Frage: Welchen Mehrwert haben diese milliardenschweren Stützungsmaßnahmen in Bezug auf die Wertschöpfungskette tatsächlich gebracht?
In der Volkswirtschaft hat der Staat nur zwei Möglichkeiten, um in den konjunkturellen Zyklus einzugreifen. Zum einen durch eine Erhöhung der Staatsausgaben und/oder eine Senkung der Steuern, um die Wirtschaft zu stimulieren oder durch Senkung der Staatsausgaben und/oder Erhöhung der Steuern, um die Wirtschaft vor Überhitzungen zu schützen. Da wir uns bis Mitte des letzten Jahres in einer konjunkturellen Misere befanden, ist die Frage, welche Maßnahmen, ob Erhöhung der Staatsausgaben oder Senkung der Steuern bzw. eine Kombination aus beidem tatsächlich für nachhaltiges dynamisches Wachstum sorgen können.
Für mich steht fest, dass die Wirkung der Staatsausgaben, wie es auch in der gesamten Historie des Kapitalismus immer wieder bewiesen wurde, nur sehr untergeordnete Impulse für die Expansionsdynamik erzeugen wird. Wenn der Staat als neuer Mitspieler in einem marktwirtschaftlichen System auftritt, muss dieser auf Kapazitäten zurückgreifen, die der privaten Wirtschaft in diesem Moment entzogen werden. Das wiederum begrenzt Investitionen und somit wird das strukturelle Wachstum einer Wirtschaft beeinträchtigt. Investitionen gelten nach meiner ökonomischen Vorstellung als Hauptantriebsfaktor unseres globalisierten Weltbilds, so dass, wenn überhaupt, durch eine Erhöhung der Staatsausgaben kurzfristig nur Vertrauenseffekte hervorgerufen werden. Der Multiplikator Staatsausgaben gilt daher für mich als politisches Instrument gegenüber der Bevölkerung aber nicht als Wertschöpfungskonzept. Steuersenkungen können in einem rezessiven Umfeld dagegen durchaus für finanzielle Entlastung bei den Unternehmen und den Verbrauchern sorgen, wenn diese ökonomisch sinnvoll eingesetzt werden.
Das bedeutet, dass diese in einem konjunkturellen Tief realisiert werden können und in der anschließenden Aufschwungphase wieder zurückgeführt werden müssen. Hierin liegt allerdings die Problematik, da sich die Politiker oftmals nach einer Krise in einem Interessenskonflikt befinden. Auch die in einer Aufschwungphase benötigten Steuererhöhungen bringen keine Sympathien bei den Wählern. Dennoch steht für mich fest, dass der Multiplikator in Bezug auf das aus Steuersenkungen resultierende Wachstum um Längen größer ist, als bei einer Erhöhung der Staatsausgaben. Das bedeutet wiederum, dass die fiskalpolitische Ausrichtung unserer deutschen Politiker bisher nicht allzu viele Vorteile in puncto zukünftiges ökonomisches Potenzial hervorgebracht haben. Im Gegenteil: Es bleibt abzuwarten, ob sich die nicht vorhandenen Wachstumseffekte in Kombination mit einer horrenden Haushaltsverschuldung, zukünftig steigenden Zinslasten und höheren Refinanzierungskosten nicht irgendwann als schwere Hürde erweisen werden, die es zu erklimmen gilt.
n-tv-Kolumne | 1. Februar 2010: Fiskalpolitische Multiplikatoren (mehr)
Die schwerste ökonomische Krise seit dem zweiten Weltkrieg geht in eine Stabilisierungsphase über, was auf verschiedenste Impulsgebungen zurückzuführen ist. Hauptverantwortlich dafür, dass die Märkte wieder Auftrieb erhielten, waren vor allem die geldpolitischen, fiskalpolitischen und wirtschaftspolitischen Anreize bzw. Maßnahmen, die weltweit entworfen und umgesetzt wurden. Dadurch konnten weitere exogene Schocks, wie die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, verhindert werden.
Mir bleibt als Ökonom und Vermögensverwalter auf den ersten Blick nur festzuhalten, dass diese besagten Maßnahmen richtig waren und sich stabilisierend auf das Marktgeschehen auswirkten. Die Kosten für diese Stabilisierungsmaßnahmen, ob Konjunkturpakete, Steuergutschriften, Bankenrettungspakete respektive Liquiditätsspritzen oder Infrastrukturprojekte sind so immens hoch, dass der nominale Wert fast nicht mehr greifbar ist und eigentlich unvorstellbar wirkt.
Die vielen tausend Milliarden US-Dollar, die benötigt wurden, um das System vor einem Infarkt zu schützen und vor einem eventuellen weiteren Kollaps zu bewahren, stellen eine schier unvorstellbare Summe dar. Wenn die Stabilisatoren greifen und der ökonomische Mechanismus wieder nachhaltig funktioniert, stellt sich die Frage: Welchen Mehrwert haben diese milliardenschweren Stützungsmaßnahmen in Bezug auf die Wertschöpfungskette tatsächlich gebracht?
In der Volkswirtschaft hat der Staat nur zwei Möglichkeiten, um in den konjunkturellen Zyklus einzugreifen. Zum einen durch eine Erhöhung der Staatsausgaben und/oder eine Senkung der Steuern, um die Wirtschaft zu stimulieren oder durch Senkung der Staatsausgaben und/oder Erhöhung der Steuern, um die Wirtschaft vor Überhitzungen zu schützen. Da wir uns bis Mitte des letzten Jahres in einer konjunkturellen Misere befanden, ist die Frage, welche Maßnahmen, ob Erhöhung der Staatsausgaben oder Senkung der Steuern bzw. eine Kombination aus beidem tatsächlich für nachhaltiges dynamisches Wachstum sorgen können.
Für mich steht fest, dass die Wirkung der Staatsausgaben, wie es auch in der gesamten Historie des Kapitalismus immer wieder bewiesen wurde, nur sehr untergeordnete Impulse für die Expansionsdynamik erzeugen wird. Wenn der Staat als neuer Mitspieler in einem marktwirtschaftlichen System auftritt, muss dieser auf Kapazitäten zurückgreifen, die der privaten Wirtschaft in diesem Moment entzogen werden. Das wiederum begrenzt Investitionen und somit wird das strukturelle Wachstum einer Wirtschaft beeinträchtigt. Investitionen gelten nach meiner ökonomischen Vorstellung als Hauptantriebsfaktor unseres globalisierten Weltbilds, so dass, wenn überhaupt, durch eine Erhöhung der Staatsausgaben kurzfristig nur Vertrauenseffekte hervorgerufen werden. Der Multiplikator Staatsausgaben gilt daher für mich als politisches Instrument gegenüber der Bevölkerung aber nicht als Wertschöpfungskonzept. Steuersenkungen können in einem rezessiven Umfeld dagegen durchaus für finanzielle Entlastung bei den Unternehmen und den Verbrauchern sorgen, wenn diese ökonomisch sinnvoll eingesetzt werden.
Das bedeutet, dass diese in einem konjunkturellen Tief realisiert werden können und in der anschließenden Aufschwungphase wieder zurückgeführt werden müssen. Hierin liegt allerdings die Problematik, da sich die Politiker oftmals nach einer Krise in einem Interessenskonflikt befinden. Auch die in einer Aufschwungphase benötigten Steuererhöhungen bringen keine Sympathien bei den Wählern. Dennoch steht für mich fest, dass der Multiplikator in Bezug auf das aus Steuersenkungen resultierende Wachstum um Längen größer ist, als bei einer Erhöhung der Staatsausgaben. Das bedeutet wiederum, dass die fiskalpolitische Ausrichtung unserer deutschen Politiker bisher nicht allzu viele Vorteile in puncto zukünftiges ökonomisches Potenzial hervorgebracht haben. Im Gegenteil: Es bleibt abzuwarten, ob sich die nicht vorhandenen Wachstumseffekte in Kombination mit einer horrenden Haushaltsverschuldung, zukünftig steigenden Zinslasten und höheren Refinanzierungskosten nicht irgendwann als schwere Hürde erweisen werden, die es zu erklimmen gilt.
n-tv-Kolumne | 25. Januar 2010: Wachstum und Enttäuschung in Europa (mehr)
Der Risikoappetit der Banken ist nach meiner Auffassung viel zu hoch. Gerade das aktuelle Momentum der Zinsmärkte ist gefährlich, da die Zinskurve als sehr steil einzustufen ist. Dies hat, in Kombination mit niedrigen Refinanzierungs-/Kreditzinsen in der Vergangenheit, die Banken dazu veranlasst, höhere Risiken einzugehen. Nach meiner Auffassung besteht die Gefahr darin, dass bei Zinsanpassungen entsprechende Kursverluste entstehen werden.
Was droht genau? Die Wertpapiere, die sich mittlerweile im hohen Umfang in den Bankbilanzen befinden, sind unter dem Strich eine Wette, dass die Zinsen in den USA sowie in Europa niedrig bleiben. Insgesamt kann man den Eigenhandel der Banken derzeit als großen Carry-Trade bezeichnen, da sich die Banken zu günstigen Konditionen Geld leihen und dieses Kapital in höher verzinste Anlagen, wie beispielsweise Staatsanleihen, investieren. Vergleicht man die derzeitige Situation an den Anleihemärkten mit 1994, als die US-Notenbank in kurzer Zeit die Zinsen in sieben Schritten um insgesamt 3 Prozentpunkte erhöhte, könnten stürmische Zeiten bevor stehen. Mit den Zinsanhebungen stürzten damals die Anleihenkurse auf der ganzen Welt nahezu ins Bodenlose. Betrachtet man die Renditestruktur von 10-jährigen Treasuries, so stieg diese um nahezu 2,5 Prozentpunkte an.
Fakt ist, dass nach meiner Auffassung das Marktmomentum zeigen wird, wie schwerwiegend die Kurskorrektur bei den Anleihen ausfallen wird. Die Historie hat bewiesen, dass die Gefahr hoher Haushaltsdefizite in Kombination mit öffentlicher Verschuldung den Markt sehr schnell zu der Auffassung bewegen könnte, dass die Erwartungen schlechter ausfallen als sie eigentlich sind. Die Gefahr, dass Kurskorrekturen von bis zu minus 15 Prozent im Segment der Staatsanleihen mit Investmentgrade bestehen, sehe ich somit durchaus gegeben, da einfach die zusätzlich und künstlich angeheizte Nachfrage nach diesen Assets zu groß war und ist. Im Non-Investmentgrade können sogar noch höhere Kurskorrekturen erwartet werden. Darüber hinaus bewerte ich die Märkte generell als durchaus gefährlich, da sie sich, aufgrund der horrenden Milliardensummen, welche in den Marktmechanismus eingedrungen sind, in einem gewissen Zyklus der Ineffizienz bewegen. Die marktwirtschaftliche Gesetzgebung ist meiner Ansicht nach zumindest partiell gestört. Betrachtet man den besagten Kursverlauf bei Staatsanleihen, so kann dieser in den vergangenen Wochen und Monaten als ungebrochen stark eingestuft werden. Auf der anderen Seite steigt der Goldpreis von einem Hoch zum nächsten. Für dieses Marktverhalten fehlt nach meiner Einschätzung eine rationale bzw. ökonomische Begründung. Denn entweder steigt die Inflation in einigen Jahren, was zur Konsequenz hätte, dass Staatsanleihen heute als viel zu teuer einzustufen wären, oder die Inflation steigt nicht, dann gilt meiner Ansicht nach der Goldpreis als viel zu hoch. Nach meinem Grundverständnis findet eine parallele Wertsteigerung keine Relevanz und kann somit nur durch irrationale Gründe erfolgen.
Ein weiterer Aspekt, welchen ich kritisch betrachte, ist das immense Emissionsvolumen von Unternehmensanleihen der europäischen und US-amerikanischen Industrieunternehmen im letzten Jahr und die bereits angekündigten in diesem Jahr. Alleine im letzten Jahr wurden seitens der europäischen Unternehmen über 400 Mrd. Euro an neuen Unternehmensanleihen emittiert und fanden, auch aufgrund der niedrigen Zinsmärkte, einen reißenden Absatz. Die Unternehmen suchten sich also getreu der Marktwirtschaft neue Refinanzierungswege, da aufgrund der Kreditklemme die Banken keine wirklichen Anstalten machten, den Kapitalstock der Unternehmen zu erhöhen. Problematisch ist allerdings, dass diese besagten Unternehmensanleihen größtenteils mittelfristige Laufzeiten haben, was bedeutet, dass diese ab dem Jahr 2013 sukzessive auslaufen und neue Finanzierungen durch Neuemissionen benötigt werden. Gleichzeitig müssen allerdings, aufgrund der Krise 2000 bis 2003, aber viele Staatsanleihen ebenfalls zu diesem Zeitraum refinanziert werden, so dass allein 2012 die Bankenbranche weltweit 7000 Mrd. US-Dollar an Krediten umschulden muss. Die kommenden Jahre werden also eine echte Belastungsprobe für den internationalen Rentenmarkt darstellen. Denn wenn die Befürchtungen von Staatspleiten weiterhin anhalten und sich dadurch die Nachfrage nach Anleihen, bei einem sich gleichzeitig deutlich ausweitenden Angebot, reduziert, gibt es nur eine mögliche Reaktion an den Bondmärkten - eine Konsolidierung.
n-tv-Kolumne | 18. Januar 2010: Die Woche der Wahrheit (mehr)
Von Dienstag bis Freitag veröffentlichen die Citigroup, IBM, Bank of America, Ebay, Morgan Stanley, Starbucks, US Bancorp, Wells Fargo & Co, American Express, Google, Goldman Sachs, McDonald’s und General Electric ihre Bilanzabschlüsse, so dass diese Woche, mit Blick auf die kommenden Wochen, eine Trendrichtung für die Aktienmärkte vorgeben sollte. Bereits letzte Woche machte JP Morgan einen richtungsweisenden Anfang für die Bankenlandschaft. Im Großen und Ganzen bewerte ich die Zahlen als ordentlich, aber nicht als überragend.
Nach meiner Auffassung liegt genau hier aber die Problematik. Die Erwartungen für den Bankensektor sind, aufgrund der letzten beiden Quartale, welche durchaus als sehr ertragsstark einzustufen waren, sehr stark angestiegen. Die Zahlen sollten zwar, aufgrund der nach wie vor attraktiven Kapitalmarktbedingungen, bei Citigroup, Bank of America, Morgan Stanley und Goldman Sachs positiv ausfallen, aber unter den Ansprüchen der Marktteilnehmer liegen. Das Enttäuschungspotenzial ist durchaus als relativ hoch einzustufen, was zu volatilen Märkten führen sollte. Die Problematik, die nach meiner Meinung noch hinzukommt, ist, dass viele Marktteilnehmer gerade in puncto Banken die wahrscheinlich nicht ganz so optimistischen Zahlenwerke nutzen könnten, um die zuletzt immer höher angestiegenen Gewichtungen des Sektors innerhalb der Portefeuille zu reduzieren. Das wird die Stimmung eintrüben, falls die Controller der Banken nicht noch das ein oder andere Ass im Ärmel haben sollten.
Zusätzlich gilt das politische Risiko einer sogenannten Strafsteuer für die US-Banken als Belastung, so dass ich bereits innerhalb meiner vermögensverwaltenden Strategien und Fonds den Finanzsektor auf ein Minimum reduziert habe. Für mich steht fest, dass das aktuelle Geschäftsmodell, welches ausschließlich auf der ausgereizten Geldschöpfungspolitik basiert, sukzessive auslaufen wird und in Kombination mit den hohen Vorsorgemaßnahmen der Banken für nachhaltige Kreditausfälle zusätzlich Druck auf die Bilanzen der kommenden Monate ausüben wird. Doch wie sieht es in der Realwirtschaft aus?
Grundsätzlich bestehen meiner Ansicht nach diverse Sektoren, die durchaus ein höheres Umsatzpotenzial bieten und bei gleichzeitig andauernder Restrukturierung und Kostenkontrolle eine positive Gewinndynamik zeigen können. Diese Unternehmenssegmente sind zudem aktuell nicht auf der Watchlist der meisten Marktteilnehmer, da es sich um defensive Unternehmen handelt und nicht um die zuletzt stark gestiegenen zyklischen Unternehmen. Cash-Flow gilt als Schlüsselindikation, was soviel bedeutet wie, dass ich derzeit vor allem Unternehmen und Unternehmenssegmente favorisiere, die einen soliden Liquiditätsgrad und eine niedrige Verschuldungsquote vorweisen.
In der Quintessenz dokumentieren meine qualitativen Bewertungen in Kombination mit meinen Quant-Modellen, dass die künstlich geschaffenen Stabilisatoren durch Notenbanken und Regierungen Wirkung zeigen und das Auftragsvolumen der Realwirtschaft vor allem in Asien und Europa eine Erholung durchläuft.
Infrastrukturprojekte in den Bereichen Eisenbahn, Straßen, Flughäfen, Energieversorgung, Wissenschaft, Innovation, Gesundheitswesen und Bildung, geschaffen durch die staatlichen Eingriffe, haben die Weltwirtschaft vor einer noch größeren Depression bewahrt. Von einem sich selbsttragenden Aufschwung kann aber noch keine Rede sein, vor allem, wenn man die nach wie vor niedrigen Kapazitäten der verarbeitenden Industrie sowie die niedrige Produktivität der Unternehmen bewertet. Dennoch ist meine Überzeugung, dass vor allem realwirtschaftliche Sektoren wie Gesundheit/Pharmazie, Konsum- und Nahrungsmittelgüter, Basisgrundstoffe, Versorger, Telekommunikation und Dienstleistungen die chancenträchtigsten Segmente der nahen Zukunft darstellen.
Für den Gesamtmarkt sehe ich nach wie vor Gefahrenpotenzial, da das Umsatzwachstum des Marktes nicht so stark sein wird, wie es an diesem Punkt des ökonomischen Zyklus erwartet wird. Die Kostensenkungspolitik bzw. die Restrukturierungsmaßnahmen haben die relative Gewinnentwicklung der letzten Quartale zwar im allgemeinen Umfeld gesteigert, durch diesen Effekt erwarte ich allerdings für dieses Quartal nur noch eine eingeschränkte Stimulation. Die Berichtssaison wird zeigen, in welcher Verfassung sich die Unternehmen tatsächlich befinden und die aktuelle „Woche der Wahrheit“ wird einen ersten Vorgeschmack diesbezüglich liefern.
n-tv-Kolumne | 11. Januar 2010: Wo ist die Krise? (mehr)
Bewertet man die Bilanzen im Detail, so kann meiner Kenntnis nach festgehalten werden, dass diese einen sehr schwammigen Eindruck hinterlassen, da immer noch hunderte von Milliarden Dollar an „Ramschpapieren“ in den besagten Bilanzen verankert sind. Problematisch sind, wie bereits mehrfach in meinen Telebörse-Kolumnen dokumentiert, die veränderten Bilanzierungsrichtlinien, welche den Banken ermöglichen, Wertpapiere, die eigentlich nahezu wertlos sind, nur mit geringfügigen Abschlägen zu bilanzieren.
Beispielsweise werden oftmals diese Toxic Assets mit gerade einmal 20 Prozent Abschlag bewertet, obwohl diese im Kern eigentlich nichts mehr wert sind. Die Banken kommunizieren gegenüber den Wirtschaftsprüfern bzw. den staatlichen Regulierungsbehörden, diese nicht verkaufen zu wollen, da diese Wertpapiere nachhaltig, also mit Blick auf die kommenden Jahre „werthaltig“ wären. Die Problematik, die ich als Vermögensverwalter und Ökonom hierbei erkenne, ist, dass der Preismechanismus nicht ansatzweise einen intakten Zustand signalisiert. Daraus resultiert, dass die Preise weiterhin eine negative Entwicklung anzeigen und nachhaltig Druck auf die Banken ausgeübt wird.
Hintergrund hierfür ist die sich nach wie vor negativ entwickelnde Situation der Krise im Wohnimmobilienbereich, so dass sich die freien Cashflows, welche die Banken zunehmend generieren, verringern. Exakt diese sich noch intensivierende Perspektive wird bereits heute durch Wertanpassungen in der Aktiva bestätigt und in den kommenden Quartalen mit hoher Wahrscheinlichkeit zunehmen. Ich bin davon überzeugt, dass auch zukünftig kein Markt für die besagten Ramschpapiere entstehen wird, so dass nachhaltig der Abschreibungsdruck, wie angesprochen, zunehmen wird.
Bekanntermaßen sind es aber nicht nur die Bankhäuser auf der ganzen Welt, die horrende Wertverluste durch diese Wertpapiere hinnehmen mussten, sondern auch große Investoren, wie das Segment der Hedgefonds. Interessanterweise werden seitens diverser Hedgefonds mittlerweile Maßnahmen genutzt, die vor der Krise das endgültige „Aus“ für einen Hedgefonds bedeutet hätten. Heutzutage gelten diese Maßnahmen als normal, da diese die einzige Möglichkeit sind, das Anlagesegment irgendwie durch die Krise zu manövrieren. Viele Hedgefonds leiden unter massiven Reputationsverlusten aufgrund der Finanzmarktkrise und den daraus entstandenen Verlustgrößen. Außerdem wird seitens der Investorengruppen die mangelnde Transparenz dieser Fondsgattung immer kritischer begutachtet. Die größte Problematik der Krise für die Hedgefonds ist meiner Meinung nach, dass die Renditen wortwörtlich einbrechen und teilweise sogar deutlich stärkere Verluste hingenommen werden müssen, wie an den Aktien- oder Rohstoffmärkten.
Daraus resultierte, dass ganze Investorenverbände horrende Summen aus dieser Anlageklasse weltweit abgezogen haben, was wiederum die Renditen zusätzlich unter Druck setzte. Eine Abwärtsspirale, die unzählige Hedgefonds in die Insolvenz führte. Alleine in den USA mussten über 130 hochkapitalisierte Hedgefonds seit Beginn der Krise geschlossen werden.
Doch zurück zu den besagten Gegenmaßnahmen, welche die Hedgefondsbranche seit einiger Zeit in sehr dynamischer Form umsetzt. Festzuhalten bleibt, dass der identischen Problematik, welcher die Banken ausgesetzt sind, auch die Hedgefonds in Bezug auf die illiquiden Toxic Assets vorfinden. Nämlich, dass keine Marktpreise gehandelt werden, was einen Verkauf unmöglich macht. Außerdem würden nach meinen Einschätzungen die Abschläge bzw. die Verluste, die durch einen Verkauf entstehen würden, die noch verbliebene Reputation wohl vollends ruinieren.
Nicht wirklich überraschend sind die unzähligen enttäuschten Privatanleger und institutionellen Investorengruppen, die hier Spekulationen eingegangen sind und jetzt das Nachsehen haben. Ich kann nur immer wieder betonen und bin eigentlich auch guter Hoffnung, dass eine Änderung der Investorenmentalität stattfinden wird und endlich die Risikocharakteristik eines Marktes bzw. eines Investments, die Gradmessung einer Investitionsentscheidung sein wird und nicht die eventuellen zukünftigen Performancemöglichkeiten.
n-tv-Kolumne | 21. Dezember 2009: Was Anleger 2010 erwartet (mehr)
Das Jahr neigt sich dem Ende zu und das gesamtwirtschaftliche Bild unserer globalisierten Wirtschaft wirft nach wie vor Fragen auf, die eine klare Richtungsvorgabe erschweren. Die Zahl der Insolvenzen bewegt sich auf Rekordniveau, die Unternehmen reduzieren massiv ihre Kosten, was wiederum zukünftige Investitionen begrenzen wird und auf den deutschen Arbeitsmarkt wird die Krise wohl erst in den kommenden Monaten richtig durchschlagen. Auf der anderen Seite wurden durch die Notenbanken und Staaten der ganzen Welt monetäre Investitionsprogramme geschnürt, welche das marktwirtschaftliche System stabilisierten.
Nach meiner Auffassung befinden wir uns zwar in einer Normalisierung der Stresseffekte, welche durch die Insolvenz von Lehman Brothers in einem besonders hohen Maße entstanden waren, nicht aber in einem sich selbst tragenden Aufschwung. Dies gilt besonders für das kommende Jahr, auch wenn ich hervorheben möchte, dass die Märkte wohl noch nicht in der Verfassung sind, dies zu begreifen und sich stattdessen immer noch über die Liquidität, welche die Notenbanken mehr oder minder „verschenken“, freuen.
Pluszeichen auf Krisenniveaus
Die Prognosen für die Industrie suggerieren für das kommende Jahr auf den ersten Blick eine positive Entwicklung von ungefähr 7 bis 10 Prozent Zuwachs im verarbeitenden Gewerbe der industrialisierten Nationen. Genau das wird auch oftmals durch viele Fondsmanager oder Vermögensverwalter als Indiz dafür genommen, dass sich der Industriesektor in einer sehr aussichtsreichen Verfassung befindet. Wichtig zu beachten ist jedoch, dass die Zahlen nur bei oberflächlicher Betrachtung imposant wirken. Die Tatsache, dass sich diese relativen Zahlenwerke auf das markant niedrige Niveau von 2009 beziehen, als sich in diversen Branchen und Segmenten die Umsätze um über 30 Prozent reduziert hatten, wird oftmals unbeachtet gelassen. Genauso wie die Situation, dass durch die prognostizierten Zuwächse nur ein kleiner Teil des zuvor entstandenen Rückgangs wieder kompensiert wird. Genau dies gilt nach meiner Ansicht als Hauptkriterium in der Beurteilung der Marktverfassung. Die Qualität der konjunkturellen Erholung und der Unternehmensbilanzen ist weder sonderlich gut noch selbsttragend.
Insgesamt erwarte ich somit ein recht volatiles Jahr 2010, da nach meiner Überzeugung erst eine Anpassung der Erwartungen an die tatsächliche Konsistenz und Qualität der Konjunktur und der Bilanzen vorhanden sein muss, bevor eine nachhaltig fundamentale Rechtfertigung für eine höhere Gewichtung eines ganzen Aktienmarktes besteht. Daraus erschließt sich, dass ich die Aktienmärkte nur stark eingeschränkt als bevorzugte Asset-Klasse ansehe bzw. lediglich eine aktive Steuerung der Aktienquoten als interessant erachte. Darüber hinaus können in volatilen Phasen Short-Positionen ein sehr interessantes Instrument sein, um die Schwankungsintensität positiv auszunutzen.
Richtige Branchen wählen
Nicht zu leugnen ist aber auch, dass absolute Perlen an den Aktienmärkten zu finden sind. Kriterien, welche ich bei der Auswahl besonders betrachte, sind: Solide ertragskräftige Unternehmen mit niedrigem Verschuldungsrad und einer hohen, Cashflow-orientierten Produktivität und ganz besonders Dividendenstrategien, also Unternehmen mit hoher Dividendenrendite und günstigen Buchwerten. Diese Kriterien sollten in erster Linie bei Branchen wie Gesundheit, Telekommunikation, Grundstoffe, Pharmazie, Versorger und europäischen Ölunternehmen zu finden sein. Bezüglich dieser Segmentierungen sehe ich sogar die höchste Performancechance, unter Berücksichtigung der Dividende, im gesamten Assetsegment.
Im kommenden Jahr erwarte ich in der Eurozone ein inflationistisches Potenzial von 1,5 bis 1,8 Prozent, also noch ungefährlich, da die Kapazitätsauslastung in der Industrie nach wie vor sehr niedrig ist und somit eine steile Zunahme der Löhne und Güterpreise sehr unwahrscheinlich ist. Auf der anderen Seite sehe ich eine Preisanstiegsgefahr bei Rohstoffen, welche, in Kombination mit der Verschuldungskrise der weltweiten Regierungen, vielleicht schon ab dem Jahr 2011 für ein Comeback höherer Inflation verantwortlich sein kann, sofern sich auch die Kapazitäten wieder sukzessive erholen. Die Ergreifung von Schutzmaßnahmen vor der Inflation bewerte ich als eine aktuell noch verfrühte Thematik, allerdings sollte ab dem 3. Quartal des kommenden Jahres dieses ein relevanter werdendes Thema werden können. Investmentstrategien wie Immobilien, Rohstoffe bzw. Industriemetalle, Aktien, inflationsgeschützte Staatsanleihen und auch eventuell Gold können dann im besonderten Interesse stehen.
Das Börsenjahr 2010 wird mit Sicherheit ein Jahr voller Herausforderungen – ich kann es kaum erwarten!
n-tv-Kolumne | 14. Dezember 2009: Fahrlässige Ergebnisorientierung (mehr)
Die letzten Quartalsergebnisse der Unternehmen beiderseits des Atlantiks haben einmal mehr dokumentiert, dass nicht die Qualität der Bilanzen die Kurse, im kurzfristigen Kontext der aktuellen Marktphase, beeinflusst, sondern die Kunst des „Verkaufens“, also schlechte Zahlen positiv durch die Unternehmensvorstände zu präsentieren.
Wenn ich mir die einzelnen Unternehmensbilanzen vor Augen führe bzw. die der Branchensegmente oder auch übergreifend auf einen ganzen Markt blicke, dann liegen die Gewinnentwicklungen und deren Zuwachsverteilung nach wie vor ca. -40 Prozent unter den Vergleichswerten von vor einem Jahr. Identisch kann dies auch auf die Umsatzentwicklung bezogen werden, so dass ich die Konsistenz der Unternehmensbilanzen immer noch mit großer Skepsis betrachte, ob denn die Aufschwungphantasien, die die Märkte hegen, auch in der Realwirtschaft umgesetzt werden. Natürlich bewerte ich die Überraschungskomponente der Markterwartungen sehr genau, da diese einen markttreibenden Einfluss hat, was auch in den letzten Monaten und Quartalen immer wieder zu beobachten war.
Die Frage ist, welche Hürden den Unternehmen derzeit zusätzlich zu der konjunkturellen Lage noch bevorstehen. Zum einen sehe ich die schleppende Kreditvergabe an Unternehmen als Bedrohung. Die Geschäftsbanken haben in ihrer derzeitigen unternehmenspolitischen Ausrichtung kein wirkliches Interesse daran, ihre Bilanzaktiva auszuweiten. Im Gegenteil: Bestehende Unternehmenskredite werden oftmals nicht einmal mehr verlängert. Die Aussage, dass wir uns in einer sogenannten Kreditklemme befinden, was laut Definition ein angebotsbedingtes, umfassendes Erliegen des Kreditneugeschäfts bedeuten würde, erachte ich aber noch als überzogen. Es bestehen jedoch Anzeichen, dass auch gesunde Unternehmen zukünftig nicht ausreichend Kredite zu angemessenen Konditionen bekommen könnten.
Fakt ist, dass sich die Unternehmen immer noch in einer Restrukturierungsphase befinden, so dass höhere Zinsbindungskosten auf der Finanzierungsseite nicht gerade entlastend wirken. In den zahlreichen Bilanzkonferenzen, an denen ich Woche für Woche teilnehme, wurde mir sehr schnell klar, dass die Unternehmen in Zeiten markanter Nachfragereduktionen natürlich alles versuchen werden, um ihre Schwächen in den Bilanzen möglichst optisch zu schönen. Um die angesprochene Flaute bei den Neuaufträgen zu relativieren, wurden in allen Unternehmenssektoren massive Kostensenkungsprogramme umgesetzt. Dies führte dazu, dass die Gewinnentwicklung vieler Industrieunternehmen, trotz wegbrechenden Umsätzen, stimuliert wurde.
Einfacher ausgedrückt: Wenn ein Unternehmen reduzierende Umsätze hat, gleichzeitig aber die Kosten noch stärker senkt, resultiert daraus eine positive Gewinnentwicklung. Ganz nach dem Motto: Minus und Minus ergibt Plus. Vor allem in den USA konnte ich in der jüngsten Berichtssaison massive Kostenersparnisse in fast allen Sektoren und ganz besonders im Industriebereich feststellen. Durch die besagte massive Kostenersparnis wurde, auf Basis des Nettoertrags, sogar vielfach das erwartete Ergebnis übertroffen. Dies sorgte für eine positive Stimmung bei den Marktteilnehmern, weil die Ergebnisse schlicht und einfach besser ausfielen, als die Erwartungen zuvor angesetzt waren. In Deutschland ansässige Unternehmen gelten in den Kostenreduzierungsplänen als benachteiligt, da diese aufgrund der Gewerkschaften und Tarifverträge beziehungsweise der Sonderabkommen in puncto Kurzarbeit nur bedingt die Flexibilität besitzen sich im großen Umfang zu restrukturieren. Die Überkapazitäten in Deutschland gelten daher, vor allem im internationalen Vergleich, immer noch als sehr hoch.
Ich bin mir sicher, dass, gerade in den USA und in vielen Teilen Europas, der Schwerpunkt von den Unternehmenslenkern zukünftig nicht auf Investitionen gelegt wird, sondern auf weitere Kostensenkungsmaßnahmen. Dies gilt nach meinen Erkenntnissen auch als die größte Wachstumshürde der kommenden Periode, da nur durch eine Wiederbelebung der Investitionsdynamik nachhaltiges Wachstum erzeugt werden kann. Denn wenn Investitionen stocken, sollte es schwierig sein, zukünftiges Wachstum zu erzielen, vor allem wenn man bedenkt, dass die staatlichen Stützen auslaufen werden.
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